Meiereien

Gold regt die Fantasie an

Der Eigentümer dieser Goldbarren konnte nicht ermittelt werden. Der Fund zweier Gemeindemitarbeiter von 2012 geht nun an die Gemeinde Klingnau.

Der Eigentümer dieser Goldbarren konnte nicht ermittelt werden. Der Fund zweier Gemeindemitarbeiter von 2012 geht nun an die Gemeinde Klingnau.

Es ist schon ein wenig enttäuschend. Der Goldfund von Klingnau bleibt in Klingnau. Wir werden nicht erfahren, woher die Goldbarren stammen, die 2012 von zwei Mitarbeitern der Gemeinde beim Mähen einer Magerwiese gefunden worden sind. Und wir werden ebenso wenig erfahren, wem sie gehört haben und wie sie in die Magerweise gelangt sind.

Nicht einmal ein Fingerabdruck, der auf dem Sack gefunden wurde, in dem die Goldbarren lagen, half da weiter. Und weil auch nach fünf Jahren der rechtmässige Eigentümer nicht eruiert werden konnte, dürfen die Klingnauer das Gold also behalten. So sagt es das Gesetz. Die ehrlichen Finder erhalten selbstverständlich einen anständigen Finderlohn.

Natürlich mag man den Klingnauern den unverhofften Goldsegen gönnen. Und es ist erstaunlich, wie sehr das lockende Gold die Fantasie all jener beflügelt hat, die in Klingnau vorsprachen und dort unverfroren erzählten, warum das gefundene Gold eigentlich ihnen gehöre. Klingnau hätte sich europaweit einen Namen machen können, wenn man die allerbeste der vielen
erfundenen Goldgeschichten mit einem symbolischen Goldanteil belohnt hätte.

Doch noch ist es nicht zu spät. Klingnau könnte das Geld für ein neues, alljährlich stattfindendes Geschichtenfestival verwenden, wo neue, haarsträubende Geschichten aus aller Welt erzählt werden. Die allerbesten werden mit ein bisschen Gold aus der Magerwiese belohnt. Immer zu Weihnachten gäbe es dann einen Sammelband mit den neuen, schier unglaublichen «Klingnauer Geschichten» – selbstverständlich auch als Hörbuch. Der Gewinn des «Klingnauer Goldbarrens» wäre rasch mindestens so prestigeträchtig wie der Schweizer Literaturpreis. Und der Name «Klingnau» würde ein Synonym für Fantasie.

 joerg.meier@azmedien.ch

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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