Lesen muss heute schnell gehen. Das gilt für die Geschäftswelt, vor allem aber für Studenten. Seit die an den Unis sogenannte Credit Points sammeln müssen, bleibt fürs Lesen nicht mehr viel Zeit. Vorbei die Zeiten, als man sich als Student noch wochen- und monatelang in die «Kritik der reinen Vernunft» versenkte, um sich am Ende frustriert einzugestehen, dass man nichts kapiert hatte.

Kein Wunder boomen heute Angebote, die den Studierenden das Lesen erleichtern wollen. Der Dienst «getabstract» etwa bietet knackige Zusammenfassungen von Klassikern aus Literatur und Wissenschaft – nicht ganz gratis, dafür aber mit der Garantie der Zeitersparnis. Mit der Software «getdigest» geht’s sogar noch schneller: Komplizierte wissenschaftliche Texte reduziert sie in Sekundenschnelle auf die wichtigsten Kernaussagen.

Die Bibel, Goethes «Faust» oder Karl Marx’ «Kapital»: eingedampft zur leicht bekömmlichen Bildungspille, verliert Tradition ihren Schrecken. Wozu auch Ballast, wenn’s das Handgepäck auch tut? «Getdigest» verringere nicht nur die Zeit zum Lesen, sondern auch zum Nachdenken, verkünden die Macher. Hoppla, war’s beim Studieren einst nicht genau darum – nämlich ums Nachdenken – gegangen?