Kommentar

Glarner ist kein Erfolgsmodell

Dennis Bühler: «Das klare Votum ist auch eine Absage an die populistische Vereinfachung, der sich die SVP und allen voran ihr Asylchef Glarner im Abstimmungskampf bedienten.» (Archivbild)

Dennis Bühler: «Das klare Votum ist auch eine Absage an die populistische Vereinfachung, der sich die SVP und allen voran ihr Asylchef Glarner im Abstimmungskampf bedienten.» (Archivbild)

Nicht einmal Oberwil-Lieli, wo SVP-Hardliner Andreas Glarner seit mehr als einem Jahrzehnt Gemeindeammann ist, sagte Nein: Die Befürworter der erleichterten Einbürgerung für Ausländer der dritten Generation gewannen gestern auf der ganzen Linie. Selbstverständlich war das nicht. Vor allem das Ständemehr hatte in ihrem Lager Sorgen bereitet. Grundlos: Gleich 19 Kantone legten ein Ja in die Urne.

Realpolitisch auswirken wird sich der Entscheid bloss marginal, erfüllen doch nur rund 25 000 Personen die Kriterien für eine erleichterte Einbürgerung. Wichtiger sind zwei Signale, welche die Stimmbevölkerung mit dem deutlichen Ja ausgesandt hat: zum einen ein Zeichen der Anerkennung für die betroffenen Terzos sowie deren Eltern und Grosseltern, die – wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga richtig sagte – «die Schweiz mitaufgebaut haben».

Zum anderen ist das klare Votum auch eine Absage an die populistische Vereinfachung, der sich die SVP und allen voran ihr Asylchef Glarner im Abstimmungskampf bedienten. Wer die Schweiz mit Burkaplakaten überzieht, obwohl überwiegend Italiener von der erleichterten Einbürgerung profitieren, handelt unredlich. Er will das Volk verführen statt überzeugen.

Die wichtigste Folge des gestrigen Verdikts wäre es, wenn die Sachpolitiker innerhalb der SVP gestärkt würden. Nach der Durchsetzungsinitiative und der Asylgesetzrevision im vergangenen Jahr verlor die Partei zum dritten Mal in Folge in ihrem Kernbereich, der Asyl- und Ausländerpolitik. Das Modell Glarner ist kein Erfolgsmodell.

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