Gewiss ist es das Recht eines Gemeinde- und eines Einwohnerrates, dem Volk zu sagen, was er für richtig hält. Was warum unausweichlich ist. Aber ist es nicht auch die Pflicht dieser beiden Gremien, sich an die Wünsche des Souveräns zu halten. Dessen Auftrag nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch – soweit irgendwie möglich – zu erfüllen.

Wenn zwei Drittel der Stimmberechtigen zum Ausdruck gebracht haben, dass sie keine Steuererhöhung von 100 auf 108 Prozent wünschen, macht es keinen Sinn, im zweiten Durchgang wieder mit 108 Prozent ins Rennen zu gehen, wie das am Dienstagabend der Buchser Einwohnerrat beschlossen hat. Im Gegenteil: Es grenzt an Arbeitsverweigerung. Vielleicht aus Bequemlichkeit, weil das Sparen mühsam und mit unangenehmen Entscheiden verbunden ist.

Aber genau das hat der Buchser Souverän von seiner Regierung gefordert. Die Stimmbürger sind offensichtlich der Ansicht, dass die Zitrone nicht ausgepresst ist. Sie glauben etwa nicht, dass bei 45 Vollzeitstellen gar kein Sparpotenzial vorhanden ist. Und sie verstehen nicht, dass trotz der leeren Kasse eine Lohnerhöhung von 1 Prozent gewährt wird. In der Privatwirtschaft würden Jobs abgebaut und die Gehälter eingefroren, wenn nicht gar punktuell gekürzt.

Sowohl im Buchser Gemeinde- als auch im Einwohnerrat haben die Bürgerlichen (SVP, FDP, CVP) die Mehrheit. Wieso sie sich derart weit vom Volk entfernt haben, ist schleierhaft: Ob sie darauf hoffen, der Regierungsrat werde ihnen bei einem zweiten Volks-Nein den Steuersprung doch noch genehmigen?

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