Fünf Jahre und sechs Monate Gefängnis für Dieter Behring. Das Urteil des Bundesstrafgerichts setzt endlich einen ersten Schlussstrich unter ein Strafverfahren, das seit mittlerweile 12 Jahren geführt wurde – ein «monströses Verfahren», wie selbst das Gericht einräumte. Monströs nicht nur wegen der skandalös langen Verfahrensdauer mitsamt Wechseln von Bundesstaatsanwälten, sondern auch wegen der ausserordentlichen Deliktsumme und der Komplexität, welche diesen Kasus zum gravierendsten Betrugsfall der Schweiz werden liess.

Schuld an diesem Trauerspiel tragen alle Seiten, etwa die über lange Zeit langsam agierende Bundesanwaltschaft, genauso wie der Verurteilte mit all seinen Einsprachen. Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack, zumal die anfangs mitbeschuldigten Personen nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Die geschädigten Parteien hätten ein Recht gehabt, früher zu erfahren, wer an diesem Crash die Schuld trägt. Aber auch für einen Beschuldigten ist es fatal, ohne Urteil über ein Jahrzehnt lang mit dem Verdacht des Betrugs zu leben.

Im System Behring haben viele Menschen Geld verloren, von Kindergärtnerinnen bis zu Rentnern, aber auch reiche Kunden wie Ärzte und Professoren. Für manche war es eine finanzielle Katastrophe, die Folgen bis zum heutigen Tag hat, bei anderen hat sich einfach das Vermögen ein wenig reduziert. Doch wie lässt sich erklären, dass so viele Anleger Vertrauen in die Versprechungen mit Renditen in zweistelliger Höhe bei angeblich minimalen Risiken hatten? Gemeinsam ist allen Geprellten offenbar die Gier nach Geld und die wundersame Geldvermehrung, sonst wären sie auf die Versprechungen nicht reingefallen.

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