Vor einem Jahr ging Ulrich Spiesshofer eine Wette ein. Sie hatte es in sich. Der ABB-Chef stellte die damals noch defizitären Stromnetze — die grösste Sparte des Konzerns, in der knapp 40 000 Mitarbeiter einen Umsatz von rund elf Milliarden Franken erwirtschaften — ins Schaufenster. Alle Möglichkeiten würden geprüft, hiess es. Vom Verbleib der Sparte in den eigenen Reihen über ein Joint Venture bis hin zum Verkauf. Seit gestern ist offiziell, was sich bereits vor einigen Tagen andeutete: ABB wird die Stromnetze unter dem eigenen Dach weiterführen.

Das ist ein kluger Entscheid, denn die Chancen sind immens. Vor allem weil Spiesshofer mit einer bemerkenswerten Klarheit die Digitalisierung als das ausgemacht hat, was sie ist: revolutionär. Seinen Konzern hat er danach ausgerichtet — und parallel dazu die Stromnetz-Division gemeinsam mit deren Chef Claudio Facchin derart aufgepäppelt, dass heute niemand mehr von «Sorgenkind» spricht. Das Vorgehen war durchaus riskant, denn mit dem schwedischen Investor Cevian, der zuletzt gar öffentlich auf die Abspaltung der Stromnetze drängte, hatte Spiesshofer einen gefährlichen Gegenspieler. Hätte er nicht geliefert und Cevian stattdessen weitere Unterstützung erhalten, hätte der CEO wenige Tage vor dem Festakt zum 125-Jahr-Firmenjubiläum die Trennung von jenem Teil verkünden müssen, mit dem damals bei der BBC alles begonnen hatte — nämlich der Stromübertragung. Keine schöne Vorstellung.

Der gestrige Tag hatte einen Sieger: Ulrich Spiesshofer. Er hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Erfreulich ist das auch für die Angestellten, die nach einem Jahr Hängepartie endlich Klarheit haben. Zumindest vorerst. Denn Cevian wird nicht locker lassen. Das liessen die Schweden bereits gestern durchblicken.