Ein Hotelzimmer, ein Wohnwagen auf dem Campingplatz oder ein Bett in der Zivilschutzanlage: Wenn es darum geht, Menschen in Not unterzubringen, sind die Aargauer Gemeinden kreativ. Eine Wohnung für den Notfall gibt es nur in einer von fünf Gemeinden. Auch eine Notschlafstelle fehlt. Die Versuche, einen «Pfuusbus» in den Aargau zu holen, sind an der Geld- und Standortfrage gescheitert.

Natürlich zählt das Geld-Argument in einer Zeit, in der jede Investition tendenziell eine zu viel ist. Natürlich ist es nicht sinnvoll, leere Wohnungen zu unterhalten. Aber bei den Schwächsten zu sparen, zahlt sich längerfristig selten aus. Das Problem verschiebt sich nicht nur, es verschärft sich: Ohne Notschlafstelle landen Menschen ohne Wohnung, die möglicherweise zusätzlich mit einer Sucht oder psychischen Problemen zu kämpfen haben, auf der Strasse oder werden Drehtür-Patienten in der psychiatrischen Klinik. Das kann nicht die Lösung sein. Solche Menschen sind auf niederschwellige Angebote angewiesen.

In der Pflicht wären die Gemeinden. Sie müssen laut Gesetz Notunterkünfte erstellen und betreiben. Doch viele Gemeinden sehen keinen Bedarf oder verzichten bewusst auf Angebote, weil sie keine Sozialfälle anziehen wollen. Das ist unsolidarisch. Gerade bei Notunterkünften wäre es sinnvoll, gemeinsam Angebote bereit- zustellen. Es braucht nicht jede Gemeinde ein Angebot für Obdachlose, aber es braucht einen Ort, an dem sie willkommen sind. Davon würden nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Gemeinden profitieren, weil sie sich die Kosten teilen können.