Die Frage ist nur: was geschieht mit dem Bargeld, den Münzen und Noten, die überall noch in Kassen, unter Matratzen, in Safes und in den herzigen Sparsäuli liegen? Was geschieht mit alten Banknoten, wie jene meines Vaters, die er noch im Band 7 der Jeremias-Gotthelf-Volksausgabe mit dem Titel «Geld und Geist» aufbewahrte, weil er immer der Meinung war, Einbrecher seien grundsätzlich dumm und würden Werthaltiges sicher nicht zuerst im Bücherschrank suchen? Wie soll man einem Clochard – beispielsweise in den Ferien in Paris unter dem Pont des Invalides – einen oder zwei Euro geben, wenn er kein Kreditkartenlesegerät zur Hand hat?

Auf einem Karton neben seinen Habseligkeiten steht ja geschrieben: no credit cards. Oder wie unterstützt man künftig eine erfolgreiche politische Partei in der Schweiz mit einem grösseren Betrag und anonym, wie es sich gehört, wenn nicht mit Bargeld? Also. Das gilt auch für die anderen Parteien.

Überhaupt müssen wir uns gerade in der Schweiz, wo noch Recht und Ordnung herrschen, auch bezüglich Bargeld keine grossen Sorgen machen. Im Bundesgesetz
über die Währung und die Zahlungsmittel steht der entscheidende Satz: «Schweizerische Banknoten müssen von jeder Person unbeschränkt an Zahlung genommen werden.» Punkt.

Bücher sollen bloss Staubfänger sein – wirklich?

Seit der Direktor der weltbekannten ETHBibliothek in der «NZZ» klar und deutlich den Untergang sämtlicher Bibliotheken prognostizierte, ruht mein Blick wieder vermehrt auf den vertrauten Bücherrücken daheim. Es sei sinnlos, wenn das gesammelte Wissen der Welt noch immer auf verstaubten Regalen in leeren Lesesälen und in riesigen Tiefkellern unter gedämmtem Licht in Büchern gefasst herumliegen bleibe. Jeder Mensch könne bequem zu Hause am Bildschirm jedes Buch dieser Welt via Internet konsultieren. Die Frage ist nur: Was geschieht mit all den Büchern, mit den Bibliotheken, wohin mit dem Fachpersonal und was tun die Benützerinnen und Leser, die nicht ans Internet glauben?

Der ETH-Bibliotheksdirektor – ein dreifach studierter Mann – glaubt, die Bibliotheken müssten schlicht und endlich ihr Geschäftsmodell ändern. Doch die Vermittlung des wirklichen Wissens war noch nie einfach: In den ersten bekannten Bibliotheken war das Lesen mit körperlichen und bürokratischen Strapazen verbunden. Der Assyrerkönig Assurbanipal hielt um 600 v. Chr. dem geneigten Publikum in Ninive eine Sammlung von Keilschrift-Tontafeln zur Verfügung. Und selbst diese Inhalte sollen heute mit zwei, drei Klicks über das Internet abrufbar sein? Es ist vielmehr so: Im Internet findet man alles. Und nichts.

Anders als unsere Bücher ist die ETH-Bibliothek doppelt gefährdet

Zuhause hatten wir keine Bibliothek. Der schmale Bestand an Büchern lagerte hinter Glas im hölzernen Schrank, in dem neben dem Gotthelf auch noch das Geschirr und die Gläser und der Notvorrat an Schnaps und Zigaretten versorgt waren sowie in den unteren zwei Schubladen alte Ausgaben der «Schweizer Illustrierten», der Zeitschrift «Du» und des «Nebelspalters» lagen. Ein guter alter Schrank eben. Es gibt ihn heute noch in unserer Wohnung. Der Buchbestand ist seit 1968 stark gewachsen und erstreckt sich nun über weite Teile der Wohnstubenwand. Seitdem alle diese Bücher in ihrer Existenz quasi von Amtes wegen gefährdet scheinen, nehme ich täglich ein anderes Buch hervor, um dessen Entbehrlichkeit zu prüfen. Man weiss ja nie.

Doch im Unterschied zu unseren Büchern und den Banknoten ist die ETH-Bibliothek gleich doppelt gefährdet. Einmal durch ihren eigenen Direktor. Und dann hat sie keine gesetzliche Grundlage. Meine Nachforschungen im Internet haben nur zu einem am 31. Juli 1854 vom Bundesrat erlassenen Reglement über die Eidgenössische Polytechnische Schule geführt. Dort wird über den Vorgänger des aktuellen Direktors festgehalten: «Der Bibliothek der polytechnischen Schule steht ein Bibliothekar vor, der für seine vielfältigen Bemühungen eine Entschädigung erhält.» Mit anderen Worten: Sparpotenzial ist da vorhanden.