Wer auch immer sich zum Wald äussert, verbindet damit praktisch nur Positives. Das war am Dienstag im Grossen Rat nicht anders, als über die Volksinitiative «Ja! Für euse Wald» debattiert wurde. Alle wünschen sich einen gesunden Wald, der auch seine Funktion als Naherholungsgebiet erfüllen kann. So weit herrscht über alle Fraktionen hinweg Einigkeit.

Doch der Wald hat ein Riesenproblem. Zwar machte er einst Ortsbürgergemeinden reich. Doch das ist lange her. Unter massivem internationalem Wettbewerbsdruck muss der Wald immer effizienter bewirtschaftet werden, damit er überhaupt noch einigermassen kostendeckend bewirtschaftet werden kann. Da bleibt verständlicherweise weniger Geld für sogenannt gemeinwirtschaftliche Leistungen zugunsten der Allgemeinheit übrig.

Die Initianten wollen nun, dass der Kanton den Wald mit 16 Millionen Franken (25 Franken pro Einwohner) jährlich unterstützt, um Leistungen etwa zugunsten der Erholung im Wald oder für Pflegemassnahmen im Schutzwald abzugelten. Doch ist das wirklich seine Aufgabe? Der Wald gehört ja meist den Ortsbürgergemeinden.

Es gibt erste Gemeinden wie Zofingen oder Baden, die für ihren Wald massgeschneiderte, bedürfnisgerechte Lösungen gefunden haben. Das ist ein erfolgversprechender Weg. Derweil kämpft der Kanton mit einem riesigen strukturellen Defizit von bis über 200 Millionen Franken. Da ist es erst recht verständlich, dass er diese Zusatzaufgabe ablehnen muss.

mathias.kueng@azmedien.ch