Junge IV-Bezüger

Gefragt ist mehr Beharrlichkeit

17'000 Rentner sollten mit der letzten IV-Revision bis 2017 in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dieses Ziel wird bei weitem verfehlt. (Symbolbild)

17'000 Rentner sollten mit der letzten IV-Revision bis 2017 in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dieses Ziel wird bei weitem verfehlt. (Symbolbild)

Eine Studie über psychisch kranke junge Erwachsene zeigt, bis zu einem Drittel der Renten werden vorschnell gesprochen. Das ist nicht nur für die Betroffenen verheerend, sondern auch aus finanzieller Sicht. Der Kommentar.

Einmal IV, immer IV – das gilt trotz Fokus auf die Eingliederung Betroffener nach wie vor in den meisten Fällen. Besonders gravierend ist dies bei jungen Frauen und Männern, die am Anfang ihres Berufslebens stehen. Geraten sie in Abhängigkeit von einer Rente, ist die IV-Karriere vorprogrammiert. Dabei verlieren alle. Massnahmen zur Integration – etwa mehrmonatige Belastbarkeitstrainings – sollen dieser Entwicklung deshalb entgegenwirken. Eine Studie über psychisch kranke junge Erwachsene zeigt allerdings, bis zu einem Drittel der Renten werden vorschnell gesprochen. Oder wie es Hauptautor Niklas Baer sagt: «Man gibt zu früh auf.»

Das ist verheerend: Einerseits aus Sicht der Betroffenen, denen ohne Arbeit soziale Kontakte und feste Tagesstrukturen fehlen. Andererseits aus finanziellen Gründen: Eine durchschnittliche IV-Rente kostet im Aargau monatlich 1500 Franken – auf ein ganzes Arbeitsleben hochgerechnet sind das über 800 000 Franken. Dazu kommen die kantonalen Ergänzungsleistungen, weil die Rente häufig nicht zum Leben reicht.

 17 000 Rentner sollten mit der letzten IV-Revision bis 2017 in den Arbeitsmarkt integriert werden. Dieses Ziel wird bei weitem verfehlt. Besonders für psychisch kranke Menschen ist der Weg in die Arbeitswelt lang und beschwerlich. Doch er lohnt sich. Gefragt ist viel Beharrlichkeit von allen Beteiligten, um auch bei Rückfällen dranzubleiben und wenn nötig mehrere Versuche zu wagen. Denn Menschen auf Dauer abzuschreiben, die ihr ganzes Berufsleben vor sich haben, ist keine gute Option.

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