Kantonsfusionen sind, wie vor zwei Wochen an dieser Stelle ausgeführt, noch lange kein Thema. Doch wie steht es im Aargau an der Gemeindefusions-Front? Von einer Grundwelle der Begeisterung zu reden, wäre übertrieben. Immerhin, am Donnerstag sagten die Gemeindeversammlungen von Reitnau und Attelwil Ja zur Fusion. Und es gibt Projekte, die mit Schwung angegangen wurden, zum Beispiel «Rheintal plus» im Bezirk Zurzach: Zehn Gemeinden loten Chancen einer Grossfusion aus. Im «Zukunftsraum Aarau» versucht sich ein Quintett zu arrangieren. Noch am Anfang stehen Kontakte von fünf Reusstal-Gemeinden rund um Mellingen.

Am meisten Erfahrung mit (versuchten) Zusammenschlüssen hat bisher die Region Baden. Doch weder die «Regionalstadt» in den 60er-Jahren noch die «Stadtunion» in den 90er-Jahren führten zu einem grösseren Ganzen. 2010 ist ein erster möglicher Fusions-«Dominostein» stehengeblieben: Baden hat Neuenhof als Partner verschmäht. Und heute? «Stagnation in Baden» stellte die NZZ diese Woche fest. Niemand wolle mit der Kernstadt zusammengehen, das Vertrauen sei dahin. Dafür bewegt sich zurzeit einiges im Limmattal Richtung Zürich.

Eine Regionalstadt braucht einen starken, einladenden Leader. Sie braucht aber auch Regionsgemeinden, welche bereit sind, am grossen Ganzen mitzubauen. Daran mangelt es offenbar auch. Zweitjüngstes Beispiel: Die Gemeinden im Siggental wehren sich vehement gegen das Verkehrskonzept «Oase» zur Entlastung der Klus von Baden, weil sie Mehrverkehr auf der eigenen Hauptstrasse fürchten. Jüngstes Beispiel: Obersiggenthal beteiligt sich weder an der Sanierung des Badener Kurtheaters noch an einem neuen Limmatsteg noch am Sportzentrum Tägerhard. Das Badener Tagblatt titelte dazu: «Die regionale Solidarität wankt.»

Wer zeigt mit dem Finger auf die Siggenthaler? Abgesehen davon, dass sie mit ihrem (geldmangelbedingten) Ausscheren nicht allein sind, ist festzuhalten: Kooperationen und Fusionen gelingen nur, wenn eine Win-win-Situation entsteht, wenn die Kernstadt den Nachbarn auf Augenhöhe begegnet. Sie gelingen nicht, wenn sie von oben verordnet, aber von unten nicht getragen werden. Die Gemeindeautonomie ist in der Schweiz unglaublich stark. Das Dorf ist Heimat. Sie muss in der grösseren Einheit gewährleistet bleiben. Fusion als Verwaltungsakt klappt nicht. Bleibt die Fusion als Herzensangelegenheit. Die Behörden in Baden und anderswo sind aufgefordert, an vertrauensbildenden Massnahmen zu arbeiten. Dann wird es klappen.