In aufwendiger Arbeit haben rund 100 Einwohnerinnen und Einwohner aus Berikon, Rudolfstetten und Widen geprüft, welche Vor- und Nachteile eine partielle Zusammenarbeit, eine Verwaltungsgemeinschaft oder Fusion ihrer Gemeinden hätten. In acht Bereichen, von den Finanzen über das Schulwesen bis zur Freizeit und Kultur wurden die Auswirkungen kompetent analysiert. Im 55-seitigen Bericht kommen die Verantwortlichen zum Schluss, dass «viele gewichtige Chancen für eine Fusion» sprechen. Am 13. Februar findet deshalb in allen drei Gemeinden eine ausserordentliche Gemeindeversammlung statt, in der die Stimmbürger Ja oder Nein zu einem Kredit über insgesamt 45 000 Franken für die Ausarbeitung eines Fusionsvertrags sagen müssen. Damit ist die Fusion aber noch nicht beschlossen: Die drei Gemeinden müssen, sobald der Vertrag vorliegt, an der Gemeindeversammlung über die Fusion abstimmen. Dieser Entscheid untersteht dem obligatorischen Referendum und kommt damit an die Urne. Es braucht von allen drei Gemeinden drei Mal ein Ja, damit die Gemeinde Mutschellen Wirklichkeit wird. 

Jean-Claude Kleiner, Fachleiter des Projekts «Zukunft Mutschellen», hat schon mehrere Gemeinden auf dem Weg zur Fusion begleitet und betonte, dass es drei Faktoren sind, die über einen Zusammenschluss entscheiden: Kopf, Herz und Portemonnaie. Objektiv betrachtet ist eine Fusion erstrebenswert. Berikon, Rudolfstetten und Widen arbeiten heute schon eng zusammen. Oder wie der Wider Gemeindeammann Peter Spring an einer Versammlung scherzhaft meinte: «An den Gemeindeversammlungen wird oft über dasselbe abgestimmt. Ich bin mir fast sicher, wir könnten die Traktandenlisten untereinander austauschen, und man würde es nicht mal merken.» Warum also nicht gleich ein Zusammenschluss? Eine Gemeinde Mutschellen hätte mehr Einfluss beim Kanton, es bräuchte weniger Mitglieder in verschiedenen Gremien wie der Schulpflege, auch der Gemeinderat würde mit weniger Personal auskommen. Die Entwicklung könnte mit einer gemeinsamen Raumplanung und einem einheitlichen Verkehrskonzept noch besser gesteuert, das Schulangebot harmonisiert, die Lehrer flexibler eingesetzt und in manchen Bereichen eine Professionalisierung erreicht werden.

Die finanziellen Aspekte allein überzeugen nicht

Finanziell gesehen sind die Vorteile nicht so klar. Laut Berechnung würden die Steuereinnahmen im Falle eines Zusammenschlusses rund 1,5 Mio. Franken sinken, denn bei einer Fusion richtet sich der neue Steuerfuss nach dem tiefsten bisherigen (in diesem Fall Widen mit 86%). Das Spar- und Synergiepotenzial ist ungefähr gleich hoch. Das Problem sind die grossen Unterschiede: Rudolfstetten liegt derzeit bei 94%. Wird der Unterschied noch grösser, wie das die Finanzplanungen bis 2020 vorsehen, dann wird das Synergie- und Kosteneinsparungspotenzial nicht mehr ausreichen, um den Steuerausfall wettzumachen. Das sind keine guten Aussichten, auch wenn der Kanton Gemeindefusionen mit einem Beitrag von 2 Mio. Franken unterstützt. Oder wie es in der Broschüre heisst: «Für den Zusammenschluss können die rein finanziellen Aspekte alleine nicht ausschlaggebend sein.»  

Bleibt das Herz. Natürlich ist es schwer zu beurteilen, was die Herzen der Mutschellerinnen und Mutscheller sagen. Eine gewisse Skepsis ist aber zu spüren. Die Angst, dass eine grosse Gemeinde mehr Anonymität und einen Leistungsabbau zur Folge hätte. Die Vorteile müssten gewichtiger sein, um den Leuten diese Skepsis zu nehmen. Irgendwann werden die Gemeinden wohl so weit zusammengewachsen sein, dass ein Zusammenschluss nur logisch erscheint – im Moment ist es für eine Fusion noch zu früh.