Mit den Bildern verzweifelter Menschen demonstriert der türkische Präsident Erdogan einmal mehr, wie unentbehrlich er als oberster Schleusenwärter in der Flüchtlingskrise ist. Zudem kann mit den aus Aleppo vertriebenen Syrern politischer Druck auf Wladimir Putin erzeugt werden, der letztlich für die erneute Eskalation im Syrien-Konflikt verantwortlich ist.

Ohne den massiven Einsatz der russischen Luftwaffe wären die von Iranern und libanesischen Milizen unterstützten Truppen von Baschar al-Assad nämlich nicht in der Lage gewesen, die wichtigste Nachschubroute der Rebellen in die Türkei abzuschneiden und damit die Umzingelung von Aleppo einzuleiten.

Moskau und Teheran wollen vollendete Tatsachen schaffen. Ihnen geht es um einen Waffenstillstand, der in Wirklichkeit auf eine Kapitulation der noch gemässigten Rebellen hinausläuft. Der syrische Machthaber al-Assad gilt schon seit langem als das kleinere Übel.

Selbst die USA pochen nicht mehr auf den Sturz des Diktators. Nach dem spektakulären Scheitern ihrer Trainingsprogramme für «gemässigte Rebellen» hat Washington die Hoffnung auf den zunächst angestrebten «Regime Change» in Damaskus aufgegeben. Arrangiert euch am Verhandlungstisch mit Assads Leuten, lautete die barsche Weisung von Aussenminister John Kerry an die Opposition, die sich von den Amerikanern verraten fühlt. Vieles deutet darauf hin, dass die USA den Russen weiterhin das Heft des Handelns in Syrien überlassen werden.