Im Deutschen gibt es das drollige Wort «Poller». Es bezeichnet stöpselartige Pfeiler, die im Strassenverkehr das Befahren gesperrter Zonen verhindern sollen. Zu Weihnachten waren Poller das Mittel der Wahl, um Weihnachtsmärkte und öffentliche Plätze vor Terroranschlägen zu bewahren. Um die Besucher nicht zu erschrecken, drapierte man sie mancherorts mit buntem Geschenkpapier. 

Poller sind aber nicht nur im physikalischen Raum anzutreffen, sie begegnen zunehmend auch in der Sprache. Hier ist es die politisch korrekte Sprachpolizei, welche die verbotenen Zonen mittels Sprachpoller definiert. Sie sollen Rassisten, Sexisten und «Hater» daran hindern, die wohlanständige Gesellschaft mit ihren vergifteten Reden zu kontaminieren. 

In Deutschland wacht zurzeit das Netz-Gesetz als Watchdog und staatlich verordneter Poller über die digitale Kommunikation. Ob breit angelegte Löschaktionen zur Entgiftung des Klimas beitragen, ist allerdings fraglich. Zensur und Sprechverbote könnten auch das Gegenteil bewirken und Angst, Verdächtigungen und üble Nachrede noch zusätzlich befördern.

Mit der Kommunikation ist es nämlich wie mit den Weihnachtsmärkten: zu viele Sicherheitsvorkehrungen, zu viele Verbote und Poller verderben die Freude an der Sache.