Frau Lüscher hat wieder angerufen. Wegen dem Herrn Vincenz. Und der Raiffeisen-Bank. Das sei eine gute Bank, sagte sie. Ohne Raiffeisen hätten sie damals ihr Haus nicht bauen können. Der Bankverwalter und ihr Mann hätten früher gemeinsam Faustball gespielt. Die Hypothek zu erhalten, sei da überhaupt kein Problem gewesen. Und auch die Mitgliederversammlungen in der Mehrzweckhalle seien immer sehr schön. Also sie gehe da immer hin, ein feines Nachtessen, das Unterhaltungsprogramm und am Schluss das Blumenstöckli zum Mitnehmen. Einmal sei Francine Jordi aufgetreten. Und vor ein paar Jahren, als die Bank Jubiläum feierte, sei sogar der Herr Vincenz persönlich an die Versammlung gekommen. Ein sympathischer Mensch. Sie könne sich nicht vorstellen, dass der Herr Vincenz absichtlich etwas Unrechtmässiges getan habe.

Ich entgegnete, es gebe sicherlich genügend gute Gründe für die Untersuchungshaft, aber ja, selbstverständlich gelte die Unschuldsvermutung. Dass sie dank dem Herrn Vincenz in der ganzen Schweiz gratis in jedes Museum könne, schätze sie sehr, fuhr Frau Lüscher fort. Auch bei den jährlichen Aktionen mache sie gerne mit: Halb gratis sei sie mit den Bergbahnen gefahren oder ins Tessin gereist. Allerdings über die neuste Aktion, die mit den günstigen Skitageskarten, habe sie sich geärgert. Denn die günstigen Tageskarten gebe es nur an ganz wenigen Tagen. Und die 50 Prozent Rabatt erhalte nur, wer mit Twint bezahle. Dabei habe sie ja nicht einmal gewusst, was Twint sei. Sie denke halt einfach, wenn der Herr Vincenz noch Chef wäre bei der Raiffeisen, hätte es eine bessere Kundenaktion gegeben. «Ja», sagte ich, «das ist durchaus möglich.» Frau Lüscher schien beruhigt.