Meiereien

Frau Lüscher meint

Jörg Meier
Gemeinsam in die Zukunft: AZ-Verleger Peter Wanner (links) und NZZ-Präsident Etienne Jornod.

Gemeinsam in die Zukunft: AZ-Verleger Peter Wanner (links) und NZZ-Präsident Etienne Jornod.

Frau Lüscher hat wieder angerufen. Ohne besonderen Grund, wie sie sagte. Sie wolle mir einfach ein gutes Jahr wünschen und sich einmal dafür bedanken, dass ich ihr stets so geduldig zuhöre.

Und sie hoffe sehr, dass sie mich auch weiterhin anrufen dürfe, dass ich nicht plötzlich nach Luzern oder St. Gallen verschoben werde oder noch weiter. Man müsse ja bei diesen Zeitungsfusionen mit allerlei rechnen. Am besten mit dem Schlimmsten. Ob es wahr sei, dass bald auch von unserer Zeitung Leute nach Bosnien geschickt würden, weil es billiger sei, dort die Artikel, zum Beispiel über Schwaderloch, zu korrigieren? Also das wäre dann definitiv ein Grund für sie,
die Zeitung abzubestellen.

Ich bedankte mich bei Frau Lüscher höflich für die schönen Worte, erklärte ihr den Unterschied zwischen Fusion und Joint Venture, so gut wie ich das selber wusste, und versicherte ihr, dass ich keineswegs nach Bosnien ausgelagert werde. Höchstwahrscheinlich jedenfalls. Selbstverständlich wünschte ich ihr ebenfalls ein gutes Zwanzigachtzehn.

Da sagte Frau Lüscher, sie habe doch noch eine Frage. «Nur zu», ermunterte ich sie. Das sei drum so, sagte Frau Lüscher, es sei meistens schon recht, was ich über sie und unsere Gespräche schreiben täte. Sie habe auch viel Echo im Bekanntenkreis, gerade wenn es um Alltagsthemen gehe. «Das freut mich», sagte ich.

Nun habe sie halt gedacht, sie könnte das, was sie beschäftige, auch gleich selber schreiben, ohne immer anzurufen. Also am liebsten hätte sie eine eigene Kolumne mit dem Titel «Frau Lüscher meint». Das wäre doch eine gute Sache und würde mich doch auch etwas entlasten. Ich wusste nicht, wie ich ihr erklären sollte, dass das gar nicht geht.

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