Franziska Roth ist sich bis zum bitteren Ende treu geblieben. Schuld sind die anderen. Roth ortet die Ursache ihres Scheiterns «im ganzen System», wie es im Rücktrittsschreiben heisst. Damit meint sie das Politsystem als Nährboden für versteckte Agenden und Intrigen. Das monierte sie schon früher und stiess so viele Parlamentarier vor den Kopf.

Auch in ihrem Departement Gesundheit und Soziales glaubte sich Roth bald umzingelt von Feinden und liess Köpfe am Laufband rollen. Sich selbst sah Roth stets auf Kurs – und so wich sie keinen Millimeter von ihrer Linie ab, auch als der Abgrund immer näher rückte.

Alle hatte Franziska Roth auf ihrem Weg als Regierungsrätin verloren: Zuerst die Verwaltung, dann das Parlament und gegen Schluss sogar die eigenen Partei, die SVP. Nur an das anonyme Wahlvolk als virtuellen Verbündeten klammert sie sich noch in der Stunde des Rücktritts. Das Vertrauen in sie habe ihr Kraft gegeben, «auch die dunklen Momente meiner kurzen Zeit als Regierungsrätin zu überstehen», schreibt sie. Mehr Pathos geht kaum; eine grössere Kluft zwischen Eigen- und Fremdbild ebenso wenig.

Die ehemalige Richterin Roth und die Politik, das war von Anfang an ein Missverständnis, das nun ein Ende mit Schrecken genommen hat. Wer immer nun als Nachfolger oder Nachfolgerin nominiert wird: Die Öffentlichkeit wird diesmal besonders genau hinschauen. Nochmals so ein Missverständnis für die Führung des zurzeit wichtigsten und schwierigsten Departements kann sich der Kanton Aargau nicht leisten.

Warum scheiterte Roth und was heisst das jetzt für die SVP? Der Kommentar von AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli

Warum scheiterte Roth und was heisst das jetzt für die SVP? Der Kommentar von AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli

Am Dienstag fehlte Regierungsrätin Franziska Roth noch krankheitshalber im Grossen Rat – heute gibt die 55-Jährige ihren Rücktritt vom Amt bekannt. Roth war bereits Ende April aus der SVP ausgetreten, Grund dafür war massive Kritik aus der eigenen Partei. Seither übte sie ihr Amt als Parteilose aus.