Präsidentschaftswahlen 2017

Frankreich bewahrt Ruhe

Stefan Brändle: «Es passt zur perversen Logik des Dschihad, absichtlich oder nicht Kandidaten zu fördern, die den Islamismus am härtesten bekämpfen wollen.» (Archivbild)

Stefan Brändle: «Es passt zur perversen Logik des Dschihad, absichtlich oder nicht Kandidaten zu fördern, die den Islamismus am härtesten bekämpfen wollen.» (Archivbild)

Der Anschlag auf den Pariser Champs-Élysées hat in Frankreich niemanden überrascht. Wenige Tage zuvor hatte die Polizei in Marseille in letzter Minute ein grösseres Attentat verhindert, als sie zwei Verdächtige mit einem ganzen Waffenarsenal verhaftete. Das Duo hatte es offensichtlich auf die demokratische Institution der französischen «Königswahl» abgesehen.

Es passt zur perversen Logik des Dschihad, absichtlich oder nicht Kandidaten zu fördern, die den Islamismus am härtesten bekämpfen wollen. Denn natürlich erhoffen sich nun jene Kandidaten Auftrieb, die für Recht und Ordnung einstehen: François Fillon und Marine Le Pen.

Fillon verlangte sofort die offizielle Aussetzung der Wahlkampagne. Es war eine eher symbolische Forderung, da der Wahlkampf ohnehin am Freitagabend zu Ende ging. Aber sie zeigt, dass der durch Affären angeschlagene Kandidat schnell jede Gelegenheit packt, um unentschlossene Wähler – die laut neusten Umfragen zahlreicher denn je sind – auf seine Seite zu ziehen.

Ob Fillons Kalkül aufgeht, muss sich weisen. Die von Terror geplagten, aber auch terrorerprobten Franzosen hatten schon bei den Anschlägen der beiden letzten Jahre («Charlie Hebdo», «Bataclan», Nizza) bewiesen, dass sie sich von Wirrköpfen, wie sie sich hinter den neuen «Lowcost-Terroristen» verbergen, nicht ins Bockshorn jagen lassen.

Deshalb ist auch gar nicht gesagt, dass Marine Le Pen von der neusten Bluttat wirklich profitieren wird, wie es nun überall heisst. Schon nach der «Bataclan»-Attacke von Ende 2015 hatte die Front-National-Kandidatin bei den folgenden Regionalwahlen nur beschränkt – und vielleicht nicht einmal wegen der Terroranschläge – zugelegt.

Denn so viel Sicherheit sie auch predigt: Als «sicherer Wert» kann sie nun wirklich nicht gelten, würde doch allein schon ihr EU-Ausstiegsszenario Frankreich in eine wirtschaftliche Krise stürzen. Ganz abgesehen davon, dass die Schliessung der Landesgrenzen, die Le Pen fordert, all diese Anschläge nicht verhindert hätte – die Attentäter wuchsen zumeist in Frankreich auf.

Der Anschlag auf die Champs-Élysées führte den Franzosen eher einmal mehr vor Augen, dass das gewaltige Problem der Banlieues, aus denen auch der neuste Attentäter stammt, ungelöst ist. Auch darin zeigt sich der Ernst der Lage. Was die Franzosen zu einem ernsthaften, nicht impulsiven Abstimmungsverhalten anhalten sollte.

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