Fahrländer

Föderalismus ist gut, aber...

Ab Montag sind die Klassenzimmer wieder gefüllt. Im Aargau werden die Schülerinnen und Schüler wieder nach Stundenplan zur Schule gehen.

Ab Montag sind die Klassenzimmer wieder gefüllt. Im Aargau werden die Schülerinnen und Schüler wieder nach Stundenplan zur Schule gehen.

Der Föderalismus hat schwierige Wochen hinter sich. Die Landesregierung hat befohlen, die Kantone haben ausgeführt. Was in der Krise fraglos richtig war. Bei den ersten Lockerungsübungen gibt der Bundesrat wieder Macht und Befugnisse an die Kantone ab. Was auch richtig ist.

Man fragt sich bloss: Hat er es an den richtigen Orten getan? Ist es sinnvoll, dass der Aargau ab Montag Schule mit ganzen Klassen geben lässt, während Zürich vorsichtig mit Halbklassen beginnt? Ist die Coronasituation in Spreitenbach anders als in Dietikon? Oder: Ist es richtig, die Durchführung der Maturität den Kantonen zu überlassen? Viele Kantone verzichten ganz auf Prüfungen, der Aargau führt schriftliche Prüfungen durch.

Sind Aargauer Lehrer resistenter als die Zürcher? Bildungsdirektoren erklären unterschiedliche Lösungsansätze in der Sendung TalkTäglich vom 4. Mai.

Sind Aargauer Lehrer resistenter als die Zürcher? Bildungsdirektoren erklären unterschiedliche Lösungsansätze in der Sendung TalkTäglich vom 4. Mai.

Einige Kantone erlauben nur Halbklassenunterricht. Andere setzen auf volle Klassen. Ein einheitliches Konzept für den Schulbeginn am 11. Mai fehlt. Eltern und Lehrerschaft sind verunsichert. Können die Abstand- und Hygienevorschriften im Klassenzimmer eingehalten werden? Was ist erlaubt, was nicht?

Die Schule ist halt das heilige Pfand in der Hand der Kantone. Nirgends ist der Widerstand gegen Bundeslösungen so gross wie im Bildungswesen. Doch ist das sinnvoll? Immerhin ist das Reglement zur Anerkennung der gymnasialen Maturität (MAR) ein gesamtschweizerisch gültiges Dokument, abgeschlossen zwischen dem Bundesrat und der Erziehungsdirektorenkonferenz. Aber das hat man wohl in der Coronahektik schlicht vergessen.

Themenwechsel. Auf meine letzte Kolumne «Die frauenlose Regierung droht» habe ich etliche Reaktionen erhalten. Eine hat mich besonders zum Nachdenken angeregt. Sie stammt von Leo Keller aus Aarau. Er ist seit 40 Jahren SP-Mitglied und gehörte verschiedenen Evaluationsgremien an. Er verweist auf die extreme Belastung eines Regierungsamtes, vor allem im grossen Kanton Aargau mit nur fünf Regierungsräten. Für Frauen mit Familie sei das kaum zu stemmen. Man müsse sich fragen, «was wir unternehmen können, damit dieses Amt auch von Frauen (und Männern) ausgeübt werden kann, die ihre Verantwortung für ihre Familie trotzdem wahrnehmen wollen». Zudem: Im Aargau gebe es praktisch keine politischen Wege, auf denen man solch grosse Verantwortung einüben könne, weil es nur wenige Gemeinden mit Profi-Politikern gebe. Und in der Regierung sei man dann plötzlich Herr (oder Frau) über ein Milliardenbudget (Kantonsbudget von 5,7 Milliarden geteilt durch 5 Regierungsräte).

Ich glaube, da ist viel Wahres dran. Frauen funktionieren vielleicht weniger nach dem Prinzip «Kein Problem für mich!» als Männer.

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