Kommentar

Flüchtlingslager Moria: Die Zeitbombe ist explodiert

Remo Hess: «ie Reform des gemeinsamen EU-Asylsystems muss jetzt endlich klappen. Wegschauen geht nicht mehr.»

Remo Hess: «ie Reform des gemeinsamen EU-Asylsystems muss jetzt endlich klappen. Wegschauen geht nicht mehr.»

Die Bilder des brennenden Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zeigen das ganze Elend der europäischen Migrationspolitik.

Jetzt ist die Zeitbombe explodiert, die schon seit Jahren vor sich hingetickt hat. Wer das hoffnungslos überfüllte Lager angezündet hat, ob die Migranten selbst oder die lokalen Anwohner, ist schlussendlich egal. Das Drama zeigt vielmehr, dass weder die einen noch die anderen die unhaltbaren Zustände im grössten Flüchtlingslager Europas weiter ertragen konnten.

Man fragt sich jetzt, was mit den über 2,4 Milliarden Euro passiert ist, die die Europäische Union den Griechen in den letzten Jahren zur Bewältigung der Migrationsherausforderungen überwiesen hat. Oder ist es am Schluss so, wie manche Beobachter mit einer ordentlichen Portion Zynismus behaupten? Dass die Griechen die Lager auf den Inseln bewusst verwahrlosen lassen, um ein politisches Druckmittel in der Hand zu behalten um ein Abschreckungsbeispiel an alle Migrationswilligen zu senden?

Klar: Griechenland erledigt für die EU an der Aussengrenze die Knochenarbeit und hat es mit der Türkei mit einem Land zu tun, das den Migrationsdruck seinerseits als Waffe einsetzt. Trotzdem: Es muss möglich sein, die Aussengrenze und gleichzeitig die Rechte zu schützen, die auch irregulären Migranten zustehen. Das sicherzustellen, liegt in der gemeinsamen Verantwortung der EU. Und auch am Schengen-Land Schweiz. Die Reform des gemeinsamen EU-Asylsystems muss jetzt endlich klappen. Wegschauen geht nicht mehr.

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