Im Durchschnitt fliegen die Schweizer pro Jahr und Person 9000 Kilometer mit dem Flugzeug. Das haben wir kürzlich in der neusten Mobilitätsstudie gelesen. Jeder Schweizerin und jeder Schweizer befindet sich also pro Jahr mindestens 10 Stunden in der Luft. Nein, keine Angst, hier geht es nicht um Ökologie, Klimawandel oder das schlechte Gewissen an sich. Wir wollen nur ein wenig rechnen.

Zum Beispiel so: Wenn man die rund 80 Millionen Schweizer Flugstunden pro Jahr umrechnet, findet man heraus, dass im Durchschnitt zu jeder Tages- und Nachtzeit sich 10 000 Einwohner dieses Landes in der Luft befinden. Wer mag, kann zurecht daraus schliessen, dass in der Schweiz eigentlich, theoretisch gesehen, immer 10 000 Leute fehlen. Weil sie sich irgendwo zwischen Himmel und Erde befinden.

Wir können auch noch einen Schritt weitergehen. Etwa, indem wir die Gefängnisse in die Rechnerei miteinbeziehen. In den Schweizer Gefängnissen sitzen gut 5000 Menschen. Also etwa halb so viel, wie sich ständig in der Luft befinden. Man könnte jetzt über die grenzenlose Freiheit über den Wolken philosophieren und die Unfreiheit in den Gefängnissen, aber das ginge zu weit, wir wollten ja rechnen.

Also rechnen wir weiter und anders. Angenommen, alle Schweizerinnen und Schweizer würden gleichzeitig ihre durchschnittliche Flugzeit absolvieren, ja dann wäre die Schweiz einmal pro Jahr für zehn Stunden menschenleer. Da stellt sich die Frage, ob die gut 5000 Gefangenen auch mitfliegen dürften, angekettet, natürlich. Sie dürften wohl eher nicht. Dann aber wiederum hätte Friedrich Dürrenmatt doch recht gehabt. Zumindest für diese 10 Stunden: Wer in der Schweiz lebt, lebt im Gefängnis.

Vielleicht sollten wir doch weniger fliegen. Oder aufhören zu rechnen.