Sich nachhaltig, lokal und biologisch ernähren zu wollen, ist gar nicht so einfach. Für was entscheidet sich der Konsument, wenn er die Wahl zwischen Bio-Rüebli aus Italien oder lokalen Rüebli ohne Bio-Label hat? CO2 oder Pestizide? An der Fleischtheke wird es nicht einfacher. Kalbfleisch sei «altmödelig», sagte jüngst der Metzger. Früher galt weisses Fleisch als edel. Dabei liefert ein Rind viel mehr davon – und erst noch mehr Geschmack. Nur sind es ja gerade Rinder, welche mit Furzen und Rülpsen Methan freisetzen. Dieses richtet in der Atmosphäre zwanzig Mal mehr Schaden an als CO2. Also Fisch oder Vogel? Zumindest zum Fisch gibt es gute Nachrichten: Die Norweger haben Lachse zu Vegetariern umerzogen, was den Fisch für die breite Gesellschaft erschwinglich macht. Die schlechte Nachricht lieferte die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit»: Unter der hohen Nachfrage nach Soja für Lachse leiden nicht nur südamerikanische Bauern wegen Soja- Monokulturen, sondern auch der Konsument. Um Soja zu verschiffen, wird ein giftiges Produkt beigemischt, das wir samt dem Fisch verspeisen. Den Nachhaltigkeitslabels zum Trotz vergeht einem da der Appetit.

Natürlich lässt sich leicht einwenden: Fleischverzicht ist das einzig politisch korrekte Rezept, sich nachhaltig zu ernähren. Doch irgendwo muss die Bevormundung ja stoppen. Orangen, Lachs, Avocado, Schokolade, Kaffee. Alles, was nicht in der Schweiz angebaut werden kann, ist letztlich nicht nachhaltig. Vor allem wenn man Essen in den grösseren Kontext des Klimawandels setzt, wie das die Grünen tun. Am Ende liesse sich vielleicht ein Kompromiss mit Pommes frites aus biologischem Anbau finden. Die sind sogar vegan. Nur: Gesund sollte die Ernährung zu allem Überfluss ja auch noch sein.