Die Schweizer Armee des 21. Jahrhunderts ist Weltmeisterin im Durchwursteln: Das Mantra heisst «Weiterentwickeln». Man kauft da und dort einen neuen Panzer, demontiert ein paar alte Bunker, verkürzt die Rekrutenschule, bastelt ein wenig am Organigramm herum. Am Ende bleibt trotzdem alles beim Alten.

Jetzt schlägt eine breit aufgestellte, vom Bundesrat eingesetzte Studiengruppe mit Vertretern von Armee, militärischen und zivilen Organisationen vor, die Wehrpflicht auf Frauen auszudehnen. Inhaltlich muss man die Idee diskutieren, aber das Signal ist hoch erfreulich: Endlich scheint sich auch in Armeekreisen die Erkenntnis durchzusetzen, dass es Mut zu grossen Veränderungen braucht, wenn das Militär in der Zukunft seine Rolle effektiv wahrnehmen soll. Es braucht mehr solche visionäre Ideen.

Zum Vorschlag selber: Sollen Schweizer Frauen künftig auch dienstpflichtig sein? Selbst der ehemalige Verteidigungsminister Ueli Maurer hat schon Sympathien für das Modell geäussert. Der Bedarf der Armee an Spezialisten wird tatsächlich immer grösser, die physische Leistungsfähigkeit immer weniger wichtig. Beides spricht für eine Wehrpflicht für beide Geschlechter. Doch eine entsprechende Ausdehnung darf weder zulasten junger Familien gehen, noch sollte das Militär der Privatwirtschaft hoch qualifiziertes Personal wegrekrutieren.

Die Schweiz hat jetzt Zeit, das norwegische Konzept und andere Vorschläge vertieft, aber ohne ideologische Scheuklappen zu diskutieren. Wir profitieren davon, dass Norwegen die Idee in Europa als Pionierland testet. Es gibt nichts zu verlieren.