Bilder sind auch ohne Muskeltraining stark. Sie haben die Kraft, unsere Sorgen in Zuversicht umzuwandeln. Beispielsweise, wenn wir die Bilder des FC Aarau aus dem Trainingslager in der Türkei anschauen. Wir sehen Spieler, wie sie bei der Arbeit flachsen und lachen. Wir sehen, wie sie den Konditionstrainer ins Schwimmbecken werfen. Und wir sehen sie beim Bowling. Gemeinsam, alle in eine Richtung. Keiner schert aus. Es sind Bilder, die einen intakten Teamgeist suggerieren. Die keinen Hinweis darauf liefern, dass die Spieler mit dem Rücken zur Wand stehen. Nur: Das Trainingslager in der Türkei war gestern. Die Gegenwart heisst Existenzkampf.

Als Tabellenletzter steigt der FC Aarau heute gegen den FC Biel in die Rückrunde der Challenge League. Das ist bedenklich. Gar alarmierend. Aber halt auch die logische Folge, wenn Leute die Schalthebel bedienen, denen das Know-how fehlt. Das wurde korrigiert. Mit der Beförderung von Raimondo Ponte vom Scout zum Sportchef und dem Trainerwechsel von Livio Bordoli zu Marco Schällibaum. Die beiden hatten in der Winterpause erstmals Gelegenheit, Akzente zu setzen. Was sie aus dieser Möglichkeit gemacht haben, ist sinnvoll und stimmt zuversichtlich. Mit Patrick Rossini ist es ihnen gelungen, endlich mal einen Stürmer für Aarau zu verpflichten, dessen Kernkompetenz es nicht ist, hochkarätige Torchancen zu versieben. Darüber hinaus kam mit Zoran Josipovic endlich mal ein junger Offensivspieler mit enormem Leistungswillen. Mit Stéphane Besle endlich ein Spieler, der das Vakuum des «bösen Elements» füllt. Und mit Francesco Russo endlich eine klare Nummer 1 im Tor.

Der FC Aarau ist auf dem Platz routinierter, böser, bissiger und durchschlagskräftiger als zu Saisonbeginn. Und neben dem Platz kompetenter und cleverer. Das Team wird nicht mehr zufällig, sondern konzeptionell zusammengestellt. Es gibt keine Deals mehr wie jenen mit dem Brasilianer Carlinhos, bei denen der FC Aarau, und nur der FC Aarau, die Niete zieht. Carlinhos, zweifellos ein hochbegabter Spieler, erhält auf dem Brügglifeld die Bühne zur Profilierung. Nur: Die Bühne gibts für die brasilianische Investorengruppe, welche die Rechte an Carlinhos hält, gratis. Darüber hinaus streichen die Brasilianer auch das Eintrittsgeld ein. Denn Carlinhos, so sieht es die vertragliche Vereinbarung mit Aarau vor, kann jederzeit und nur mit marginaler Entschädigung für den FCA zu einem anderen Klub transferiert werden. Der FC Aarau leiht zwar weiterhin Spieler aus. Aber ohne dabei zum Spielball von Investoren oder grösseren Klubs zu werden. Wie die Beispiele von Rossini und Josipovic zeigen. Profilieren sich die beiden im Frühling, können die Aarauer zu einem jetzt schon festgeschriebenen Betrag die Rechte an beiden Spielern erwerben.

Wie lange kann Wohlens Tanz auf dem Vulkan gut gehen?

Fertig lustig in Wohlen? Zwar mussten die Freiämter eben erst die Scherben der letzten, viel zu teuren Saison zusammenwischen und eine Aktienkapitalerhöhung stemmen. Aber einmal mehr hat sich in der finanziellen Not gezeigt, dass der FC bei Teilen der Bevölkerung den nötigen Rückhalt geniesst. Nur: Wie lange kann der Tanz auf dem Vulkan gut gehen? Vernünftig ist, dass Wohlens Präsident Lucien Tschachtli versprochen hat, künftig auf finanzielle Kapriolen zu verzichten. Um mit einem 2-Millionen-Franken-Budget aber dauerhaft in der Challenge League zu bleiben, ist Magie erforderlich. Obwohl die spielerische Qualität im Team bescheiden ist, ist die Chance, dass Wohlen in dieser Saison dem Teufel nochmals vom Karren springt, nicht allzu schlecht. Warum? Weil a) der hoch verschuldete FC Biel bis dato schlechte Aussichten auf eine Lizenz in der nächsten Saison hat. Weil b) der FC Wohlen erprobt ist im Abstiegskampf. Und weil c) die Mannschaft als Einheit hervorragend funktioniert.