SP und CVP sind bei der Altersreform in einer komfortablen Situation. Die beiden Parteien wissen, dass sie sich in der Einigungskonferenz mit der Erhöhung der AHV-Renten durchsetzen können. Und die beiden Parteien haben offenbar keinen Zweifel daran, dass zumindest die FDP die Reform im Parlament nicht scheitern lässt. SP-Exponenten sprachen gestern wiederholt vom Ständeratsmodell als Kompromisslösung.

Diese Haltung mag man stur nennen – Verbesserungspotenzial am Ständeratsmodell gibt es durchaus –, doch FDP und SVP sind selbst schuld an ihrer ungemütlichen Situation. Während der Ständerat von Beginn weg ein zwar teures, nicht perfektes, aber konzises Konzept präsentierte, fielen die Rechtsbürgerlichen mit Positionswechseln auf. Positiv formuliert kann man von einem Lernprozess sprechen. Doch das Einschwenken auf die Bundesratslösung erfolgte wohl zu spät. Das ist bedauerlich. Denn der Nationalrat hat recht: Seine Variante ist günstiger, gerechter für die jungen Generationen und die Abschaffung des Koordinationsabzuges wäre eine wichtige Errungenschaft für die Frauen. Sie sollen in der Lage sein, sich selbst ein Altersguthaben in der zweiten Säule anzusparen.

In diesem Punkt gibt es bei der Ständeratslösung noch Raum für Verbesserungen. Ebenso unverständlich ist, dass die kleine Kammer Kürzungen bei der Witwenrente für Kinderlose zu einem Tabu erklärt hat. Wenn man die Erhöhung der AHV-Renten für Ehepaare damit rechtfertigt, dass mehr Frauen erwerbstätig sind, kann man bei der Witwenrente nicht an uralten Rollenbildern festhalten.