Ende Jahr ist Schluss: Mit IAM Cycling löst sich das einzige Schweizer Team auf World-Tour-Stufe nach vier Jahren im Profi-Radsport auf. Teamchef und Geldgeber Michel Thétaz zieht sich zurück, nachdem die Suche nach einem Co-Sponsor erfolglos verlaufen ist. 28 Fahrer und das Personal müssen sich einen neuen Arbeitgeber suchen.

Für den Schweizer Radsport ist das abrupte Ende von IAM Cycling ein herber Schlag – nicht nur deshalb, weil das Team mit Fahrern wie Mathias Frank oder Martin Elmiger neun einheimische Profis in seinen Reihen hat. Auch die Aussichten für den Nachwuchs, dereinst einen Vertrag in der obersten Liga des Radsports zu erhalten, sind schlechter geworden. Dies, obwohl mit dem Team Roth seit dieser Saison auf der zweithöchsten Profistufe Pro Continental wieder eine Schweizer Equipe mitfährt – mit der erklärten Absicht, junge Fahrer an die Spitze heranzuführen.

Mit dem gleichen Ziel und mit viel Brimborium war IAM Cycling im Januar 2013 ebenfalls als Pro-Continental-Team angetreten. Obwohl sich rasch erste Erfolge einstellten, konnten Budget und Resultate nie ganz mit den rasch wachsenden Ambitionen von Gründer Thétaz Schritt halten. Im zweiten Jahr gelang der Mannschaft mit dem zweiten Rang von Mathias Frank bei der Tour de Suisse ein Achtungserfolg. An der Tour de France, wo es 2014 dank einer Wildcard erstmals starten durfte, wurden dem Team die Grenzen dann schonungslos aufgezeigt.

Zu klein, um gross zu sein

Als verhängnisvoll sollte sich der Aufstieg in die World Tour erweisen. Vom Weltverband UCI, dem es in der obersten Liga nach dem Rückzug anderer Teams noch an Mannschaften fehlte, dazu ermutigt, nahm Thétaz mit IAM das Abenteuer in Angriff. Das Budget von 12 Millionen sollte allerdings nicht ausreichen, um im Konzert der Grossen des Radsports mitzuspielen: In der World-Tour-Saison 2015 kam IAM Cycling in der Teamwertung nicht über den 17. und letzten Platz hinaus. Weil ein Rückschritt für ihn keine Option war und er ein höheres Budget nicht allein stemmen wollte, knüpfte Thétaz die Zukunft des Teams über 2016 hinaus an die Bedingung, einen potenten Co-Sponsor zu haben. Und er zieht jetzt nach erfolgloser Suche die Konsequenzen.

Die Geschichte von IAM Cycling ist kein Einzelfall, sondern ist Ausdruck tieferer struktureller Probleme im Radsport. Die Teams sind den Sponsoren, die in vielen Fällen die einzige namhafte Einnahmequelle sind, ausgeliefert. Sie sind weder
am Verkauf von TV-Rechten beteiligt noch haben sie Stadien, wo sie Eintritt verlangen könnten. Der FC Bayern hat alleine mehr Budget als der ganze Profiradsport. Diese Abhängigkeit von Sponsoren ist für den Radsport fatal. Die Existenz vieler Teams
ist mit Unsicherheit behaftet, es fehlt Konstanz. Jedes Jahr verschwinden Teams, die wie im Fall von IAM zuvor in mehrjähriger Arbeit aufgebaut worden sind.
Die Probleme sind längst erkannt, doch die Suche nach neuen Finanzierungsmodellen gestaltet sich schwierig. Die Reformbestrebungen des Weltverbandes UCI kommen nur mühsam voran. Zu unterschiedlich
sind die Interessen der Beteiligten, auch unter den Teams und den Veranstaltern.