Christoph Blocher, SVP-Obmann auf Lebzeiten, fehlt an allen Ecken und Enden in Bern. Dieser Tage klagten Westschweizer Vertreter der grössten Partei im Land, man wisse nicht mehr, was man stimmen müsse. Das war früher einfacher, als der Alt-Bundesrat noch Präsenz markierte bei der Bundeshausfraktion in Bern. Der Tarif wurde sauber und deutlich erklärt, und die Herrschaften wussten, was sie zu tun hatten. Fraktionschef Adrian Amstutz, einst Gefreiter der Fallschirmgrenadiere, sorgte mit eiserner Hand für Formationsflug und punktgenaue Landung.

Die Zeiten haben sich geändert. Thomas Aeschi, nun Fraktionschef, hat nicht die Durchschlagskraft von Amstutz. Das zeigte sich beim AHV-Steuer-Deal etwa daran, dass sich die Partei nicht auf einen Dossierführer einigen konnte. Vielmehr gab es schlussendlich fünf davon allein im Nationalrat: Céline Amaudruz (GE), Thomas Aeschi (ZG), Magdalena Martullo-Blocher (GR), Thomas Matter (ZH) und Jean-François Rime (FR). Fehlt nicht mehr viel bis zur Basisdemokratie.

Die Verwirrung der SVP-Geister beim Deal war total, als Magdalena Martullo, die höchste operative Instanz der Partei, eine schwindelerregende Kehrtwende vollzog, von der Befürworterin zur Gegnerin des originellen Kuhhandels.

Insider wollen wissen, dass Martullo selbst auch nicht ganz wusste, wie ihr geschah, denn es sei ein sechster Dossierführer aufgetaucht. Der Patron aus Herrliberg, Christoph Blocher persönlich, habe sich eingeschaltet und seine Tochter samt der Partei auf Nein-Kurs umdirigiert. Ob die Verwirrung dadurch kleiner wurde, ist intern recht umstritten.

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