Meiereien

Fast ohne Balkone

Der Aargauer Immobilienmarkt hat seine Besonderheiten. Chris Iseli

Der Aargauer Immobilienmarkt hat seine Besonderheiten. Chris Iseli

Was verbindet die Menschen im Aargau? Was wirkt identitätsstiftend? Und was unterscheidet die Aargauerinnen und Aargauer von den übrigen Schweizerinnen und Schweizern? Seit der Kantonsgründung im Jahre 1803 beschäftigen uns diese schwierigen Fragen. Bisher fehlten die wirklich hilfreichen Antworten.

Doch jetzt stehen die Chancen gut, dass endlich entschlüsselt werden kann, was denn einen Aargauer unverwechselbar macht und damit einzigartig: Statistiker haben herausgefunden, dass es im Aargau im Vergleich zur Restschweiz überdurchschnittlich wenige Balkone gibt.

Das ist nicht nur erstaunlich, sondern verhilft zu gründlichen Erkenntnissen über das Wesen der Aargauer. Man könnte sich also fragen, warum die Aargauer so wenig Wert auf Balkone legen. Und weiter darüber nachdenken, was zuerst war: Gehört es zum Wesen der Aargauer, wenig Balkone zu haben, oder ist der Aargauer geworden, wie er ist, weil es im Kanton an Balkonen mangelt?

Allgemein tendieren Fachleute zur ersten Variante; dies im Detail zu begründen, würde hier allerdings zu weit führen.

Der Verzicht auf Balkon-Pomp ist Symbol dafür, dass sich Aargauerinnen und Aargauer eher wenig um Äusserlichkeiten scheren; sie streben nach inneren Werten. Auf diesem fruchtbaren Boden konnte der viel gerühmte Kulturkanton wachsen und gedeihen. Das heisst aber noch lange nicht, dass die Aargauer selbstverliebte Stubenhocker sind. Das Gegenteil ist wahr. Letztlich ist ein Balkon eine trügerische Angelegenheit: Er ermöglicht Ausblick und Überblick über äussere Vorgänge, ohne dass man das Haus verlassen muss. Das passt schlecht zum Aargauer. Wenn er der Welt begegnen will, tut er das richtig und ganz – und verlässt die Wohnung.

Verwandtes Thema:

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

Meistgesehen

Artboard 1