Der Mann stand neben unseren VW-Bus und gestikulierte wie ein Wilder. Er zeigte auf seine Augen, auf den Bus, schüttelte den Kopf. War der Platz vor seinem Coiffeur-Salon im albanischen Städtchen Berat nur für Kunden reserviert? Wir entschuldigten uns und wollten davonhuschen.

Da stellte er sich uns in den Weg und gab uns mit Handzeichen zu verstehen, er sei taubstumm – und er habe Durst. Seine wilden Gesten erhielten ganz plötzlich eine neue Bedeutung. Er hat wohl einfach auf unser Auto aufgepasst und geschaut, dass niemand auf dumme Gedanken kommt. Danke! Einen Kaffee in der Bar nebenan? Um Himmels willen, deutete uns der taubstumme Coiffeur an.

Doch keinen Kaffee, aber vielleicht ein Bier? Wir setzten uns hin. Unsere kommunikative Verunsicherung war mindestens so gross wie die servierten Humpen. Doch unser Auto-Aufpasser gestikulierte einfach weiter, zeigte auf die vorbeigehenden Leute, erzählte uns mit seinen Händen die Geschichte des Musikers, dessen Töchter ausgewandert seien und jene des Kellners, der zwar gutes Bier ausschenke, aber der langsamste Junggeselle der Stadt sei.

Er gab uns Sightseeing- und Beziehungs-Tipps (heiraten und Kinder, viele Kinder, nicht nur eines wie er). Wir unterhielten uns bestens und lernten zwei neue Dinge: Übersetzungsprobleme mit Taubstummen, die gibt es nicht. Und Falschparkieren sorgt für einzigartige Reiseerinnerungen.