Kantonsspital Baden

Falsche Rechnungen: Kodex ist gut, Kontrolle besser

Das Kantonsspital Baden.

Das Kantonsspital Baden.

Das Kantonsspital räumt ein, dass ein Chefarzt mehrfach falsche Rechnungen gestellt hat.

Wenn der Chefarzt einem Patienten die Hand schüttelt und ihm im Operationssaal vor der Narkose nochmals kurz den Eingriff erklärt, so gehört dies zum Ehrenkodex, der am Kantonsspital Baden gilt. Dieser sieht auch vor, dass der Operateur nach dem Eingriff den Patienten persönlich über das Ergebnis der Operation informiert.

Zwischen diesen beiden Zeitpunkten, die der Patient bei Bewusstsein mitbekommt, liegt die eigentliche Operation. Für diese schreibt der Kodex vor, dass der Operateur persönlich anwesend ist. Kontrollieren kann der Patient dies aber zumeist nicht, liegt er doch unter Narkose auf dem OP-Tisch und kann nicht feststellen, ob nun der Chefarzt selber, ein Oberarzt oder ein Assistent das Skalpell führt. Dass hier nicht alles korrekt abläuft, zeigen Fälle aus Basel und dem Tessin. Dort waren Chefärzte gar nicht selber im Operationssaal, verrechneten aber dennoch Honorare.

Nun ist das Kantonsspital Baden mit solchen Vorwürfen konfrontiert. Wie viele Fälle es sind, ob der Chefarzt nicht selber operierte, wie hoch der finanzielle Schaden ist – das alles ist offen. Klar ist aber: Schon nur der Verdacht, dass ein Arzt bei der Abrechnung schummelt, untergräbt das Vertrauen der Patienten massiv. Wer vom Chefarzt begrüsst und verabschiedet wird, darf auch erwarten, von ihm operiert zu werden. Verrechnet der Arzt korrekt die Leistungen, die er selber erbringt, ist gegen hohe Honorare nichts einzuwenden. Manipuliert er hingegen Rechnungen, so ist dies kein Verstoss gegen den Ehrenkodex, sondern eine Täuschung des Patienten.

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