Wer kann schon etwas gegen gesunde Lebensmittel aus heimischer Produktion haben? Wer stört sich nicht an «Abzockern», die exorbitant viel Geld verdienen? Und was soll schlecht sein an der Forderung nach einer «starken Pflege»? Egal, ob die Stimmbürger nun über die Initiative «Für Ernährungssouveränität», die «Gegen die Abzockerei» oder jene «Für eine starke Pflege» abstimmen: Volksinitiativen kommen oft verheissungsvoll daher. Ihre Titel nehmen ein Problem auf, das in breiten Kreisen für Empörung sorgt. Oder sie versprechen gleich: Seht her, wir haben die Lösung.

Das Institutionalisieren politischer Schlagwörter ist in der Schweiz quasi Teil des Systems – verantwortlich dafür sind Volksinitiativen. Braucht es deshalb striktere Regeln für die Namensgebung, wie manche Staatsrechtler fordern? Nein. Schon heute darf die Bundeskanzlei im strengen Sinne irreführende Titel abändern; etwas, das sie allerdings kaum je tut. Doch würden ihre Kompetenzen ausgebaut, wäre sie andauernd dem Vorwurf der politischen Einflussnahme ausgesetzt. Ohnehin lässt sich kaum kontrollieren, wo und wie ein Titel in der öffentlichen Debatte in Erscheinung tritt.

Was es braucht, ist mehr Sorgfalt. Politiker wie Journalisten sollten sich der Sprengkraft der Sprache bewusst sein. Sie sollten Namensgebungen nicht ein ums andere Mal wiederholen, um sie so noch präsenter zu machen. Sie sollten mit Bezeichnungen kontern, die den inhaltlichen Kern einer Initiative besser treffen. Und sie sollten eines nicht vergessen: Die Stimmbürger sind mündig genug, um Etikettenschwindel zu entlarven.