Der Grosse Rat hat wieder einmal getagt; es war in der Kalenderwoche 38 erst der 9. Sitzungstag des Jahres. Lob gab es unter anderem für die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Der Aargau als grösster der vier Trägerkantone zahlt in den nächsten drei Jahren gut 240 Mio. Franken an die FHNW. Trotz einer Kürzung von gut 4 Millionen darf dieser Beschluss als Bekenntnis zum Hochschulkanton Aargau gewertet werden. Niemand im Rat hat sich gegen den doch erklecklichen Betrag gewehrt. Das ist in hektischen Sparzeiten nicht selbstverständlich. Die Fachhochschulen gelten als Krönung des Berufsbildungsweges. Dass auch die Sparkönigin SVP die FHNW mitträgt, ist so gesehen folgerichtig, denn die SVP macht sich immer wieder stark für die Berufsbildung.

Nicht selbstverständlich ist auch, dass das vor knapp 12 Jahren mittels Staatsvertrag besiegelte vierkantonale Modell immer noch, oder gar immer besser funktioniert. Es gibt ja nicht gerade viele Beispiele für überkantonale Konzeptionen, die ohne Neid und Eifersucht, unter Hintanstellung des kantonalen Prestiges, einwandfrei funktionieren. Erfreuicherweise gehört die FHNW dazu, nicht zuletzt weil sich Basler und Aargauer zusammengerauft haben und sich auf Augenhöhe begegnen.

Am Schluss steht ein Scherbenhaufen

Themenwechsel. Das Obergericht musste Walter Dubler, bis vor einem halben Jahr Gemeindeammann von Wohlen, mit hörbar knirschenden Zähnen freisprechen. Dubler hat Geld nicht an die Gemeinde abgeliefert und Kompetenzen überschritten. Aber die obersten Richter des Landes haben uns belehrt, dass er kein arglistiger Betrüger ist.

Am Ende gibt es in dieser leidigen Sache lauter Verlierer: Zuerst natürlich Dubler selber, der sein Amt verloren hat. Dann auch der selbst ernannte Chef-Ankläger und SVP-Fraktionschef Jean-Pierre Gallati, der von Dubler als «Verbrecher» sprach. Weiter die kantonalen Gerichte, die mit ihren Schuldsprüchen Bundesrecht verletzt haben. Dann die Aargauer Regierung, die zuerst zugesichert hatte, erst nach Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils über Dublers Zukunft zu entscheiden, diese Zusicherung aber kurz vor Weihnachten umstiess. Und zu guter Letzt die Steuerzahler, denn die Folgekosten betragen ein Mehrfaches der ursprünglichen Deliktsumme.

Der neutrale Beobachter wird den Eindruck nicht los: In dieser in der jüngeren Aargauer Geschichte einmaligen Ereigniskette wurden die Regeln der Verhältnismässigkeit mehr als einmal verletzt, ebenso die Regel «Bis zum Vorliegen eines gültigen Urteils gilt die Unschuldsvermutung». Am Anfang stand eine persönliche Abrechnung. Und am Schluss steht ein Scherbenhaufen.