mensch & medien

Fade-out für Ruedi Matter

War seit 2011 SRF-Direktor: Ruedi Matter.

Den letzten Fernsehauftritt hatte Ruedi Matter bei der Abschiedssendung von Kurt Aeschbacher. Brav sass der scheidende SRF-Direktor in der ersten Reihe und verlor als inszenierter Überraschungsgast leerklingende Lobesworte über den Moderator. Dabei hatten sie ihre Fernsehkarriere gemeinsam beim Vorabendprogramm «Karussell» gestartet. Dann trennten sich allerdings ihre Wege; Aeschbacher wurde berühmt, Matter erfolgreich.

Aeschbachers Pensionierung wurde mit einer Sonntagabend-Show abgefeiert. Kommende Woche hätte Matter seine Gelegenheit, sich vor dem Ruhestand in Szene zu setzen. Er wird den SRF-Jahresbericht präsentieren, die Bilanz seines achtjährigen Wirkens an der Spitze der grössten SRG-Einheit. Er könnte sich loben für die erfolgreich überstandene No-Billag-Initiative, für die Durchsetzung eines Sparprogramms, für den Neubau eines grossen Newsrooms im Leutschenbach. Doch Matter verzichtet auf einen Auftritt, steht lediglich für eine Telefonkonferenz zur Verfügung. Er verschwindet leise.

Der Baselbieter Matter ist zwar der erste Direktor, der gleichzeitig über das Deutschschweizer Radio und Fernsehen herrschte. Er ist aber auch der leiseste, der unspektakulärste, der langweiligste aller Direktoren. Der Widerspruch ist offensichtlich: Obwohl sich der Medienwandel nie schneller vollzog als im vergangenen Jahrzehnt, wird diese Epoche nicht als Matter-Ära in die Geschichte eingehen. Matter wirkte nicht innovativ, dafür hat er nicht weniger wirkungsvoll im Hintergrund an den Schalthebeln hantiert.

Aus der Musikforschung ist allerdings bekannt: Songs mit einem Fade-out bleiben länger in Erinnerung als solche mit einem Schlussakkord. Es ist nicht auszuschliessen, dass Matter diese Forschung kennt.

christian.mensch@schweizamwochenende.ch

Autor

Christian Mensch

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