Die kommende Wahl in Spaniens Konfliktregion Katalonien ist wohl der ungewöhnlichste Urnengang, der dieses Jahr in Europa stattfindet: Mehrere katalanische Spitzenkandidaten des Separatistenlagers sitzen in Untersuchungshaft. Andere werden mit Haftbefehl gesucht. Das sind nicht gerade gute Vorzeichen für eine Abstimmung in einer demokratischen Gesellschaft.

Dass diese Wahl am 21. Dezember, also kurz vor Weihnachten, unter solch extremen Umständen stattfindet, haben sich die Protagonisten der Unabhängigkeitsbewegung freilich selbst eingebrockt. Sie hatten versucht, mit gesetzeswidrigen Mitteln die Unabhängigkeit Kataloniens durchzusetzen. Dies war weder für Spanien noch für Europa hinnehmbar. Nun müssen die Separatistenführer die Konsequenzen tragen. Zu den Konsequenzen gehört, dass einige von ihnen vermutlich vorerst nicht ins Katalonien-Parlament zurückkehren können. Wie etwa der katalanische Ex-Ministerpräsident Carles Puigdemont. Er war mit einigen Gefolgsleuten vor der spanischen Justiz, die ihn der Rebellion beschuldigt, nach Belgien geflüchtet. Bei Rückkehr droht ihm nun die Festnahme. Auch Puigdemonts Ex-Vize, Oriol Junqueras, der zusammen mit weiteren Aktivisten in U-Haft sitzt, wird sein Abgeordnetenmandat wohl nicht antreten können.

Zur Erinnerung: Nach einem illegalen Unabhängigkeitsreferendum und einer widerrechtlichen Abspaltungserklärung der katalanischen Separatisten im Oktober hatte Spaniens Zentralregierung eingegriffen: Madrid setzte die Regionalregierung in Barcelona ab und ordnete Neuwahl an. Drastische Schritte, die durch die Verfassung gedeckt waren. Und mit denen die abdriftende Region wieder auf den Weg der Legalität geholt werden soll. Bald wird man sehen, ob die Neuwahl dazu beiträgt, die Lage in der brodelnden Region zu beruhigen. Alle Umfragen deuten darauf hin, dass die Separatisten aus ihrem bisherigen radikalen Abspaltungskurs keinen Profit zu schlagen vermögen. Sie könnten ihre bisherige absolute Mehrheit im Katalonien-Parlament verlieren. Das prospanische Lager scheint derweil aufzuholen.

Ob diese leichte Windänderung ausreicht, um in Katalonien einen Macht- und damit einen Kurswechsel einzuleiten, bleibt abzuwarten. Doch auch wenn alles beim Alten bleiben und die Separatisten wieder im Regionalparlament die Oberhand gewinnen sollten: Sie werden sich, wenn sie nicht wieder mit der Justiz kollidieren wollen, künftig an die spanische Verfassung halten müssen, die bisher die Abspaltung einer Region nicht vorsieht.