Die Europäische Zentralbank hat ihr Strafzinsregime verschärft. Bereits nächste Woche könnte auch die Nationalbank eine neuerliche Senkung ihres negativen Leitzinses beschliessen. Ansonsten riskiert sie eine abermalige Aufwertung des Frankens. Für zahlreiche Unternehmen mit Zehntausenden von Arbeitsplätzen nähme die Not weiter zu. Doch mit noch tieferen Zinsen nehmen auch deren schädliche Nebenwirkungen zu.

Während die Banken erstmals aktiv Widerstand leisten wollen, wachsen in der Bevölkerung die Sorgen um ihre Altersersparnisse. Umfragen zeigen einen drastischen Vertrauensverlust ins Vorsorgesystem. Das weiss SNB-Chef Thomas Jordan. Deshalb beteuerte er im April: «Es ist uns ein grosses Anliegen, dass die Schweizerinnen und Schweizer verstehen, weshalb unsere gegenwärtige Geldpolitik als Ganzes angemessen ist und was ihre Wirkung auf unser Land ist.»

Im November 2014, als die Gold-Initiative der SVP der Nationalbank enge Fesseln anlegen wollte, sagten 77 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger «Nein». Auf so viel Vertrauen können Jordan & Co. heute kaum mehr zählen. Wenn sich Bürgerinnen und Bürger bei der Verfolgung ihrer Eigeninteressen zu stark eingeschränkt fühlen, steigt die Gefahr, dass sie an der Urne Entscheidungen fällen, die letztlich allen schaden. Nationalbank und Bundesrat müssen sich etwas Neues einfallen lassen, um dieser Gefahr vorzubeugen.