Zum zweiten Mal in Folge müssen die deutschen Sozialdemokraten eine Niederlage einstecken: Die SPD-geführte Regierung in Schleswig-Holstein wurde am Sonntag abgewählt. Dabei waren die Genossen verheissungsvoll ins Bundestagswahljahr gestartet. Mit ihrem Kanzlerkandidaten und neuen Parteivorsitzenden Martin Schulz überflügelte die SPD in Umfragen zwischenzeitlich sogar die Union von Kanzlerin Merkel. Doch die Hoffnung, dass die Sozialdemokraten auf einer Euphoriewelle ins Kanzleramt reiten können, hat sich zerschlagen.

Allerdings ist die SPD deutschlandweit mit knapp 30 Prozent in den Umfragen so gut im Rennen wie schon lange nicht mehr. Doch der Trend zeigt auch: Die Euphorie um einen neuen Kandidaten alleine reicht nicht aus, um der Kanzlerin Paroli zu bieten. Merkel sitzt fest im Sattel, ihre Zustimmungswerte sind stabil. Die Phase vom Herbst 2015, als es so aussah, als könnte Merkel fallen, ist vorbei. Das Vertrauen in die Kanzlerin hat Gründe: Die meisten Deutschen halten ihre persönliche Situation für gut, die Wirtschaft läuft, die Arbeitslosigkeit ist gering. Warum also ein linkes Experiment wagen? Merkel gilt auch als erfahrene Krisenmanagerin, Schulz kann hier nicht mithalten.

Kommt hinzu, dass auch die Medien nicht mehr mit Neugier auf den Neuen bei der SPD blicken. Wenn Schulz heute Wahlkampf macht, berichten die Zeitungen nicht mehr ganzseitig über den Heilsbringer der SPD. Schulz ist aus dem Fokus gerutscht. Und weil er nicht im Bundestag oder in der Regierung sitzt, muss er um Öffentlichkeit kämpfen. Ein Machtwechsel im Herbst scheint eher unwahrscheinlich. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn die SPD in einer Woche die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gewinnen sollte.