Magnus Hirschfeld, deutscher Arzt und Mitbegründer der ersten Homosexuellen-Bewegung, beschrieb im Jahr 1914 Plätze in der Schweiz, an denen homosexuelle Männer auf Männer trafen, die gleich empfinden. Über 100 Jahre später gibt es immer noch solche Treffpunkte. Einer ist das Mägenwiler Wäldli.

Zwischen den Bäumen treffen sich Männer, die Sex mit Männern suchen. Bei genauerem Hinschauen geht es aber um mehr. Für eine Mehrheit der Männer dürfte der Wald ein Zufluchtsort sein. Versteckt zwischen Bäumen können sie ausleben, was in der Öffentlichkeit nicht möglich ist. Nicht weil es verboten wäre, sondern weil sie Angst davor haben, komisch angeschaut, verspottet oder verprügelt zu werden. Vielleicht, weil ihnen das alles schon einmal passiert ist.

Zum Glück ist die Gesellschaft toleranter geworden. Viele Anderssexuelle können auf ein Umfeld zählen, das sie unterstützt. Es ist heute – auch dank Dating-Apps und Internet – einfacher, Menschen zu finden, die gleich empfinden. Gleichzeitig begehen Homosexuelle immer noch überdurchschnittlich häufig Suizid. Auch der Hass und die Ablehnung sind noch da.

Selbst Politiker wie der frühere SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi schämen sich nicht, öffentlich zu sagen, Homosexuelle seien «Fehlgeleitete» mit «unnatürlichem Verhalten». Kürzlich zeigte eine Masterarbeit, dass 12,6 Prozent der befragten Aargauer Oberstufenschüler glauben, dass Schwule durch eine Therapie dazu gebracht werden können, auf Frauen zu stehen. Solange Menschen so denken, wird es Orte wie das Mägenwiler Wäldli geben und brauchen.