Der Boswiler Gemeindeschreiber ruft in einem Facebook- Kommentar zur Todesstrafe auf, fordert «eine saubere 9-mm- Impfung» für einen Vergewaltiger. Er spricht von «Böötlen» und meint die gefährliche Fahrt übers Meer, die Tausende Menschen das Leben kostet. Solche menschenverachtenden Äusserungen, noch dazu von jemandem, der zwar nicht gewählt, aber als Gemeindeschreiber sehr wohl öffentlich wahrgenommen wird, sind nicht tragbar. Daran ändern auch eine Entschuldigung und das Löschen des Kommentars wenig. Es mag ein Zeichen von Reue und Einsicht sein, zeigt aber auch, dass er sich für die Aussage wohl weder entschuldigt noch sie gelöscht hätte, wenn sie nicht in Medienberichten erwähnt worden wäre.

Der Fall zeigt – einmal mehr –, wie rau der Ton im Netz geworden ist. Wie wenig sich Menschen darum scheren, was sie ihrem Gegenüber an den Kopf werfen. Wie wenig zielführend «diskutiert» wird. Das Internet ist weder rechtsfreier Raum noch Stammtisch. Wer online solches Gedankengut verbreitet, muss damit rechnen, dass ihn die Äusserungen einholen – gerade, wenn man als Person in der Öffentlichkeit steht. Es bringt wenig, sich darauf zu berufen, es handle sich um die persönliche Meinung. Ein Gemeindeschreiber wird, genauso wie eine Politikerin, immer mit der Funktion in Verbindung gebracht. Anders als bei Personen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, reagiert die Gesellschaft noch sensibler auf Äusserungen. Dafür müssen sie nicht einmal justiziabel sein. Es reicht vollkommen, dass sie jenseits von Gut und Böse sind.

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