Kommentar

Es braucht Leute wie Pitteloud

Ex-Botschafter und Ex-Geheimdienstler Jacques Pitteloud wird von der Justiz im Stich gelassen. Monika Flückiger

Ex-Botschafter und Ex-Geheimdienstler Jacques Pitteloud wird von der Justiz im Stich gelassen. Monika Flückiger

Offiziell steht Aussage gegen Aussage: Aussenminister Didier Burkhalter hat sich hinter
den ehemaligen Botschafter in Kenia gestellt. Jacques Pitteloud habe in Absprache mit der Bundesanwaltschaft gehandelt.

Diese bestreitet indes, dass Pitteloud von ihr einen Auftrag hatte, als er zwei kenianische Brüder zu einem Deal bewegen wollte: Die Rückzahlung von Schmiergeldern in der Höhe von 55 Millionen Dollar gegen die Einstellung eines Geldwäschereiverfahrens.

Recherchen der «Nordwestschweiz» legen den Schluss nahe, dass die Bundesanwaltschaft sehr wohl eng mit Pitteloud zusammengearbeitet hat. Etwas scheint schiefzulaufen. Denn jeder Staat braucht Leute, die im Interesse einer als gut und richtig erkannten Sache Courage und Zivilcourage zeigen – und die mehr tun, als sie müssten.

Alles deutet darauf hin, dass Pitteloud genau das getan hat. Er hat im Team mit anderen gearbeitet und auf diese vertraut. Es ist stossend, wenn eine Seite jetzt nicht bereit ist, Pitteloud die gleiche Loyalität entgegenzubringen. Aber das ist das Schicksal von Leuten wie ihm, dem ehemaligen Geheimdienstler. Es liegt in der Natur ihrer Arbeit: Wenn es Probleme gibt, sind die, die zu Hause in der warmen Bürostube blieben, natürlich nicht zur Stelle. Das Problem ist, dass es irgendwann vielleicht keine Leute mehr gibt, die mehr tun, als sie tun müssten.

Offiziell begrüsst Pitteloud das Verfahren, das die Bundesanwaltschaft gegen ihn eröffnet hat. Kein Wunder. Es ist die einzige Chance, seinen ramponierten Ruf wieder herzustellen. Vorausgesetzt, alles läuft korrekt ab. Die Einsetzung eines Sonderstaatsanwaltes ist Pflicht.

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