Rechtzeitig vor Weihnachten wird bekannt, dass im Aargau mehr Vorfälle Hunde kleiner Rassen betreffen. Rechtzeitig, weil so vielleicht verhindert wird, dass irgendwo unbedarft ein niedliches Hundchen unter dem Christbaum landet. Die Statistik hat eine schlechte und eine gute Seite: Gut ist, dass der Irrtum, bestimmten Hunden ein «erhöhtes Gefährdungspotenzial» zuzuschreiben, damit auch statistisch widerlegt ist. Schlecht ist, dass kleinen Vierbeinern nicht dieselbe Beachtung punkto Umgang im Alltag und Erziehung zukommt, denn auch sie sind Beutegreifer. Hunde-Erziehung darf aber nicht auf Kommandos reduziert werden. Sitz, Platz, Fuss allein tut’s nicht. Es braucht eine seriöse Ausbildung, bei der sich der Halter das Wissen über den Hund, dessen Bedürfnisse und Ausdrucksverhalten aneignen sollte. Mit dem Wegfall des Kursobligatoriums läge es nun in der Verantwortung des Halters, dies zu tun.

Eines steht jedoch nicht in diesen Statistiken: Hinter 99,5 Prozent aller Vorfälle und Bisse steckt einzig und allein menschliches Versagen: Entweder ist es der unachtsame Halter, wie derjenige, der sich beim Spazieren mit dem Handy beschäftigt, der den Hund gedankenlos in heikle Situationen mit Menschen und Artgenossen bringt, denen das Tier nicht gewachsen ist. Oder es sind unbedachte Handlungen von Menschen, verständnislose Biker oder Jogger, die Hunde in Bedrängnis bringen und ein aggressives Defensivverhalten provozieren. Wären nämlich die Hunde in ihrem Sozialverhalten wie die Menschen, so hätten wir es im Aargau nicht mit 500, sondern mit 500 000 Vorfällen zu tun.

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