Im Westen verlassen 65 Millionen Briten die Europäische Union. Im Osten proben die «jungen» EU-Länder immer öfter den Aufstand. Auf dem ganzen Kontinent sind EU-skeptische Bewegungen im Aufwind. Strukturprobleme bedrohen die Stabilität der Wirtschafts- und Währungsunion. Der Zeitpunkt für einen neuen Erweiterungsschub könnte kaum schlechter gewählt sein, könnte man meinen.

Doch genau das schlägt die EU-Kommission in ihrer Balkan-Strategie vor. Bis 2025 sollen Serbien und Montenegro so weit sein. Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Albanien und der Kosovo sollen folgen. Dass in diesen Ländern Korruption, organisierte Kriminalität und ein Mangel an Rechtsstaatlichkeit weit verbreitet ist, hält Brüssel selbst fest.

Dazu kommen etliche ungelöste Grenzkonflikte in der ehemaligen Kriegsregion. Doch was gibt es für Alternativen? Spätestens im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 dürfte jedem klargeworden sein, dass der Westbalkan ein Teil Europas ist. Diesen kann die EU kaum sich selbst überlassen. Mit Russland ist bereits ein Akteur auf dem Terrain aktiv, der der EU entgegengesetzte Interessen verfolgt. 

Der Westbalkan braucht die Beitrittsperspektive und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat recht, wenn er sagt: «Man muss sich entscheiden: Entweder man will die Erweiterung in den Westbalkan, oder man will sie nicht.» Ebenso recht hat er aber, wenn er ergänzt: «Zurzeit sind alle noch weit entfernt, die Bedingungen zu erfüllen.»