Was nicht passt, wird passend geklagt. Dieser Eindruck bleibt meistens zurück, wenn man über Schulstreits liest, die erst vor Gericht enden. Nimmt man noch den wachsenden Trend der Helikopter-Eltern dazu, die jedes Mass verloren haben, ist ein Urteil schnell gefällt: Problem-Eltern zerstören jeden geordneten Schulbetrieb.

Doch das stimmt nicht. Helikopter-Eltern, die ihren Nachwuchs vom Kindergarten bis in die Hörsäle der Universitäten bemuttern, bleiben eine Minderheit. Der Rest ist lediglich an den Leistungen des Nachwuchses interessiert – und das ist ein Segen. Es ist gut, wenn Eltern ihren Kindern im Schultag zur Seite stehen oder wenn nötig bei den Hausaufgaben helfen. Es ist gut, wenn sie wissen wollen, wie eine Note entstanden ist oder wo die Probleme ihrer Kinder liegen. Dass damit Mehrarbeit für die Lehrer verbunden ist, darf den Eltern nicht vorgeworfen werden. Kantone und Gemeinden müssen dafür sorgen, dass die Arbeitsbedingungen für Lehrer trotz Mehraufwand gut bleiben. Neue Ombudsstellen sind deshalb eine gute Idee. Sie könnten einschreiten, bevor ein Streit eskaliert. Das wäre allemal besser, als gleich einen Online-Anwalt einzuschalten, der die Schule einklagt.

Und vielleicht gelingt es den Ombudsstellen, wieder etwas mehr Sympathien für eine alte Stärke der Schweiz zu schaffen: die Lehre. Wenn das Ansehen der Lehre wieder steigt, wird es für viele Eltern kein Weltuntergang mehr sein, wenn ihr Kind es nicht ans Gymnasium schafft. Denn das ist nicht das Ende aller Berufschancen, sondern ein guter Anfang.

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