Das Problem stellte sich beim jugendlichen Dirnenmörder Tobi B. und es wiederholt sich jetzt bei Kris V., der seine Internet-Bekanntschaft erschlug: Eigentlich hätten beide auf freien Fuss gesetzt werden müssen, weil sie nach Jugendstrafrecht verurteilt worden waren. Die fürsorgerische Unterbringung ist ein Kunstgriff, um dies zu verhindern, da bei beiden nach wie vor eine hohe Rückfallgefahr besteht und sie somit eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen.

Die Frage ist nur: Wohin mit solchen Straftätern? Die Justizvollzugsanstalt ist eigentlich nicht der richtige Platz für Tobi B., wie das Bundesgericht festgehalten hat. Die psychiatrische
Klinik Königsfelden, die über keinen Hochsicherheitstrakt verfügt, war offensichtlich nicht der richtige Platz für Kris V., dem die Flucht gelungen ist.

Einen Vorwurf kann man weder der Aargauer Strafvollzugsbehörde noch dem Gericht, noch den psychiatrischen Diensten machen. In beiden Fällen haben sich die Behörden um alternative Möglichkeiten bemüht, ohne Erfolg. Niemand scheint sich für diese Kategorie von rückfallgefährdeten Straftätern wirklich zuständig zu fühlen.

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich, und Regierungsrat Urs Hofmann und GLP-Nationalrat Beat Flach stellen die richtigen Forderungen. Sie zu erfüllen, liegt allerdings nicht bzw. nur beschränkt in ihrer Macht. Erstens braucht es auf Bundesebene Änderungen im Jugendstrafrecht.

Es muss eine Art Verwahrung – keine lebenslängliche – auch für jugendliche Straffällige möglich sein, wenn von ihnen eine anhaltende Gefahr ausgeht. Zweitens sind Einrichtungen zu schaffen, die auf solche Fälle zugeschnitten sind. Es wird hoffentlich immer nur eine beschränkte Zahl entsprechender Plätze brauchen. Darum sollten sich die Kantone zusammentun und Lösungen erarbeiten, die auch bezahlbar bleiben.

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