Für Bahnangestellte oder solche, die es noch werden wollen, verkündete Bahn-Chef Andreas Meyer gestern eine Hiobsbotschaft: Bis 2020 sollen 1400 Stellen wegfallen. Für die Kunden hatte er dafür eine gute Nachricht im Gepäck: Der Preis für das Zugbillett soll nicht mehr steigen. Ja, langfristig soll es sogar billiger werden.

Das Versprechen macht stutzig. Denn Meyer vollführt damit eine veritable Kehrtwende. Jahr für Jahr hatte er bislang verkündet, dass ein Ausbau der Bahn nicht ohne steigende Ticketpreise zu haben ist. Und am Ausbau, so stellte er gestern klar, werde nicht gerüttelt. Sein Credo, das er an der Medienkonferenz mantraartig wiederholte: «Wir werden mit weniger mehr machen.»

Das Rezept dazu heisst Effizienz- und Produktivitätssteigerung. Dies klingt nach Patentrezept McKinsey und ist es auch: Meyer hatte die Beratungsfirma ins Haus geholt, um das Grossunternehmen nach Sparpotenzial zu durchleuchten.

Der Bahn-Chef beeilte sich, zu betonen, dass sein Programm weder ein «Kahlschlag» noch eine «Rosskur» sei. Tatsächlich muss man den Abbau in die Relationen setzen: Der Abbau macht 5  Prozent der Jobs bei den SBB aus. Das ist zwar viel, scheint aber angesichts der hohen Fluktuation und grossen Zahl an jährlichen Pensionierungen verkraftbar.

Zudem verfügen die Bahnangestellten über einen guten Gesamtarbeitsvertrag, der Meyer auf einen sozial verträglichen Abbau verpflichten wird. Und dass die Bahngewerkschaft SEV eine «Vermenschlichung» des Bahnbetriebs fordert, ist zwar aus ihrer Sicht verständlich. Doch wie sich täglich an Schweizer Bahnhöfen beobachten lässt, entspricht die Automatisierung schlicht einem Kundenbedürfnis.

Es ist Andreas Meyer nicht anzukreiden, dass er die Bahn «fit für die Zukunft» machen will. Den Beweis, wie er die Quadratur des Kreises schaffen und aus weniger mehr machen will, muss er aber erst noch antreten. So lange ist es auch ratsam, sich noch nicht allzu euphorisch auf billige Bahnbillette zu freuen.