«Erhalten wir die letzte Grünfläche in Wohlen» oder «Wir haben unser Ortsbild schon genug verschandelt, hier muss nicht auch noch gebaut werden». So oder ähnlich wird in Leserbriefen für die Initiative «Oase Isler-Areal» argumentiert. Da kennen sich wohl nicht alle in der Wohler Geschichte aus. Das Jacob-Isler-Areal ist historisch gesehen weder Brache noch Park und auch kein Spielplatz oder Festareal. Es ist ein Industrieareal. Hier haben Generationen Geld verdient. Die Strohbarone etwas mehr, die Fabrikarbeiterinnen und -arbeiter deutlich weniger.

Einst pulsierte hier das Leben, war das Areal der Mittelpunkt der Strohindustrie und damit auch ein wenig Mittelpunkt der Modewelt. Erst mit dem Niedergang dieses Industriezweiges standen die grossen Fabriken nach und nach leer. Mitte der Achtzigerjahre hat das Zürcher Bauunternehmen Marti die Liegenschaften der ehemaligen Strohfabrikanten Jacob Isler und Paul Walser gekauft und sich damit auf einen Schlag mehrere Hektaren Land im Zentrum von Wohlen gesichert. Seither wird diskutiert.

Federführend in der Debatte war vorab die Genossenschaft Dorfkern. Unter dem Slogan «Wohlen Mitte» wurden verschiedenste Ideen zur Wiederbelebung des einstigen Ortskerns geboren, verworfen, und erneut aufgenommen. Es gab eine Bausperre über das ganze Gebiet, es gab einen Ideenwettbewerb, daraus entstand ein Richtplan und auch die Bauordnung wurde entsprechend angepasst. Die Genossenschaft Dorfkern hat damals mit ihrem Engagement erreicht, dass die Verwaltungs- und Manufakturgebäude der ehemaligen Isler AG unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Alles schien auf dem besten Weg. 1991 präsentierte die Firma Marti konkrete Pläne für eine Gesamtüberbauung des Areals. Für veranschlagte 65 Mio. Franken hätten in einer Symbiose von historischen und neuen Gebäuden Wohn- und Gewerbebauten entstehen sollen. 1994 wurde die Baubewilligung erteilt, doch zwei Jahre später machte die Immobilienkrise die Pläne zunichte. Die Marti AG musste sich 1996 von ihrem maroden Immobilienbereich trennen, die Liegenschaften in Wohlen übernahm eine Auffanggesellschaft.

Die Diskussionen begannen von vorn. Ein Teil der alten «Strohgebäude» ist von Wohler Architekten zwischenzeitlich gerettet worden. Was dort steht, lässt sich sehen. Einen anderen Teil hat 2001 die Gemeinde Wohlen gekauft. Und seither schreibt das Isler-Areal Geschichte. Es gab eine (erste) Volksinitiative für einen Park, die 2008 wuchtig verworfen wurde. Es gab mehrere politische Vorstösse zum Thema, einen Masterplan und schliesslich einen rechtskräftigen Gestaltungsplan, der Wohnungen, Läden, Gewerberäume und ebenso eine öffentliche Nutzung mit Begegnungszonen vorschreibt.

Die Parkliebhaber indes liessen nicht locker, und so darf (muss) Wohlen innerhalb von neun Jahren zum zweiten Mal darüber abstimmen, ob aus ihrer Vision Realität wird und eine Brache mitten im Dorf brach bleibt.

Der Abstimmungskampf ist ungewohnt lau. In den Leserbriefen liessen sich bisher überwiegend die Befürworter vernehmen. Sie kämpfen geschickt, vor allem auf der emotionalen Ebene, und stilisieren die «Oase» zu einem Objekt, von dem letztlich die Zukunft des Wohler Ortskerns abhängt. Die Parteien halten sich zurück. Sie befürchten wohl, sie könnten mit einem engagierten Kampf gegen die Volksinitiative Stimmen verlieren. Dabei haben sich alle Wohler Parteien gegen die «Oase» ausgesprochen.

Mit Ausnahme der SVP. Die ist dafür. Warum, weiss niemand so recht. Denn das, was die Gemeinde Wohlen mit diesem Areal vorhat, ist genau das, was die SVP seit Jahren fordert. Mit einer Überbauung des Isler-Areals will man hochwertigen Wohnraum schaffen und so das Steuersubstrat stärken. Eigentlich müsste die SVP dafür kämpfen und nicht für Bratwurst und Schweizer Fähnli auf einem Grundstück, das nur deshalb brachliegt, weil der Strohindustrie und später der Marti AG das Geld ausgegangen ist.

Es braucht keinen neuen Park. Grünzonen, attraktive Spielplätze, Begegnungszonen und Orte, wo man grössere und kleinere Feste feiern kann, gibt es in nächster Nähe mehr als genug.