In den nächsten Wochen erhalten 900 Angestellte unerfreuliche Post von ihrem Arbeitgeber General Electric. Der US-Konzern hat sie als Personen «at risk» eingestuft, als gefährdete Personen. Auch wenn das noch keine direkte Kündigung ist, in ungeschminktem Deutsch heisst das: Sie werden wohl ihre Stelle verlieren.

Die Massenentlassung im Aargau ist keine Überraschung mehr. Nach dem Schock im Januar, als der Abbau von 1300 Stellen angekündigt wurde, hat der Industriekonzern fast fünf Monate verstreichen lassen. Und so mag man sich ob der gestern kommunizierten neuen Zahl von «900 potenziellen Entlassungen» fragen: Alles doch nicht ganz so schlimm?

Um die Nachricht zusätzlich zu versüssen, kündigte GE an, über 170 neue Stellen in der Region zu schaffen. Die Gewerkschaften wiederum nennen konsequent die Zahl von 1100 Stellen, die abgebaut werden.

Beim Zahlenstreit zwischen Konzern und Gewerkschaften geht es darum wer in der Öffentlichkeit wie da steht. Die einen wollen die Situation möglichst positiv, die anderen möglichst negativ darstellen. Den betroffenen Mitarbeitern in Birr oder Baden hilft allerdings weder die eine noch die andere Leseart. Auch Wortmeldungen von Politikern wie Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der den GE-Managern im Januar noch «ins Gewissen» redete, sind verhallt und folgenlos geblieben.

Bleibt die bescheidene Hoffnung, dass der Weltkonzern mit über 35 000 Angestellten allein in Europa den 900 von der Kündigung bedrohten Mitarbeitern im Aargau möglichst rasch reinen Wein einschenkt. Denn ebenso unerträglich wie der Jobverlust selber ist die Ungewissheit.

Eine Person «at risk» zu sein, ist ein unwürdiger Zustand.