Fünf Vier-Augen-Gespräche hatte Johann Schneider-Ammann geführt. Doch für das sechste und wichtigste erhielt der Wirtschaftsminister über Wochen keinen Termin. Paul Rechsteiner, Präsident des Gewerkschaftsbundes (SGB), weilte in den USA.

Nach seiner Rückkehr am Montag ging es dann aber Schlag auf Schlag. Der SGB beschloss den Boykott der Gespräche, in denen der Verhandlungsspielraum für das Rahmenabkommen mit der EU ausgelotet werden sollte. Am Dienstag teilte der SP-Ständerat das telefonisch Schneider-Ammann mit.

Rechsteiner verweigert also dem Wirtschaftsminister in einem derart grundlegenden Thema das Gespräch. Ein unerhörter Vorgang, ein Affront, wie ihn die Schweizer Konsenskultur kaum gesehen hat. Schneider-Ammann spricht von «Vertrauensbruch».

Was er nicht sagt: Für den Scherbenhaufen ist er mitverantwortlich. Als Kollege Ignazio Cassis mit dem Feuer zu spielen begann und die 8-Tage-Regel zur Diskussion stellte, schürte Schneider-Ammann dieses geradezu lustvoll mit dem Satz, so was lasse sich heute in 8 Sekunden erledigen.

Nach der Eskalation stellen sich Fragen. Wie nur konnte die Regierung ein Dossier von solch eminenter Bedeutung – die Beziehungen zur EU – derart fahrlässig entgleisen lassen? Welche Rolle spielte Bundespräsident Alain Berset? Weshalb drückte der SP-Magistrat nicht Simonetta Sommaruga (SP) statt Schneider-Ammann als Vermittlerin durch?

Und vor allem: Weshalb liess er seine Beziehungen zu SP-Präsident Christian Levrat und zu Rechsteiner nicht spielen? Das Rahmenabkommen scheint für 2018 Makulatur. Ein Trauerspiel mit Ansage.