Noch sind nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt. Doch es sieht ganz so aus, dass die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland wie geplant über die Bühne gehen kann. Der Basler Agrochemiekonzern Syngenta wird nach einem heftigen Bieterwettbewerb für rund 43 Milliarden Dollar vom chinesischen Chemieriesen ChemChina geschluckt. Gestern hat der Ausschuss für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) den Deal durchgewinkt.

Nun sind alle Augen auf ChemChina gerichtet. Der Staatskoloss steht wohl bald als neuer Eigentümer in der juristischen und unternehmerischen Verantwortung. Es geht zunächst um die Aussagen der ChemChina-Chefs zur Arbeitsplatzgarantie und zur Standortfrage. Aber es geht um weit mehr. Hier treffen zwei verschiedene politische Systeme aufeinander, zwei Sichtweisen auf die Welt, auf die Wirtschaftswelt. Hier die liberale marktwirtschaftliche, da die des Staatskapitalismus. Und dieser Kulturkampf birgt Konfliktpotenzial.

Sicher ist, dass die chinesische Landwirtschaft modernisiert werden soll, und dass hier Syngenta als grösster Hersteller von Pflanzenschutzmitteln eine entscheidende Rolle spielen kann. Deshalb das grosse Interesse der Chinesen. Doch Syngenta ist seit ihrer Gründung nur so stark geworden, weil sie sich im internationalen Wettbewerb behaupten konnte: Zukäufe tätigte, andere Bereiche abgespalten hat. Diese Freiheit, verbunden mit der freien Wahl des Forschungs- und Produktionsstandorts, muss ihr weiterhin gewährt werden. Sonst droht der Abstieg in die zweite Liga.