Die Liste scheint immer länger zu werden: Politiker, die mit der Justiz Probleme haben. Nach den Regierungsräten Pierre Maudet (Genf), Beat Villiger (Zug) nun auch noch CVP-Nationalrätin Viola Amherd (Wallis), mögen viele denken. Bei der möglichen Bundesratskandidatin präsentiert sich die Lage jedoch komplett anders. Es geht nicht um ein strafrechtliches Verfahren, das zudem im Zusammenhang mit der Ausführung eines politischen Amtes steht oder diese beeinträchtigt. Bei Amherd handelt es sich um einen simplen Streit zwischen Mieter und Vermieter. Zwei Parteien sind sich uneins über die Höhe der Miete – und tragen die Streitigkeit vor ein Gericht. Das ist in diesem Land der vielen Anwälte keine Seltenheit. Ein Problem für eine Bundesratskandidatur ist das nach jetzigem Wissensstand nicht. Amherd hat auch nichts vertuscht oder verdreht.

Der Fall Amherd wirft ein Schlaglicht auf den Kanton Wallis, der ein politisches Haifischbecken ist. Der Verdacht drängt sich auf, dass die CVP-Politikerin wegen ihrer gesellschaftspolitisch offenen Haltung – «Ehe für alle statt Kruzifix», wie es ein politischer Beobachter schön ausdrückte – aus den eigenen Reihen attackiert wird. Die Oberwalliser CVP leidet an ihrem Machtverlust zugunsten der konservativeren SVP. Die Partei sucht das Heil in einem Rechtskurs, zu dem Amherd als Aushängeschild nicht taugen würde. Nur: Differenzen kämpft man besser mit offenem Visier aus als hinterrücks. Ihre Partei hat gestern die Kurve gerade noch gekriegt und die Reihen hinter der potenziellen Bundesrätin geschlossen.

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