Keine Frage: Die Demokraten ziehen an ihrem Parteitag eine weit bessere Show ab als die Republikaner in der vergangenen Woche. Sämtliche Stars der Präsidentenpartei treten in Philadelphia auf. Und Berühmtheiten wie Demi Lovato, Alicia Keys und Meryl Streep sorgen für Unterhaltung. Alles ist perfekt inszeniert, bis ins kleinste Detail – selbst das Drama um die enttäuschten Anhänger von Bernie Sanders wirkte, als sei es Teil des Drehbuchs. Denn die Geste von Sanders, der den Parteitag dazu aufrief, Hillary Clinton einstimmig zu nominieren, wirkte damit umso grösser.

Allein: Die Nachfolge von Präsident Barack Obama wird nicht an einem Parteitag, sondern erst in etwas mehr als 100 Tagen an den Wahlurnen entschieden. Und das Rennen zwischen Clinton und dem Republikaner Donald Trump könnte – Betonung: könnte – knapper ausgehen, als dies derzeit den Anschein macht. Denn das sonnige Bild, das die Demokraten in den vergangenen Tagen von den Zuständen im Land gezeichnet haben, mag auf dem Papier der Realität entsprechen. Viele Amerikaner haben aber das Gefühl, es gehe ihnen ökonomisch schlechter als vor acht Jahren und die USA steckten in einer Krise.

Trump griff diesen Unmut in der vergangenen Woche auf: Zum Abschluss des Parteitags der Republikaner zeichnete er ein recht düsteres Bild über das Land und wendete viel Zeit dafür auf, über drohende Job-Verluste und steigende Kriminalitätsraten zu sprechen. Diese Botschaft ist platt und gefährlich, in gewissen Bevölkerungssegmenten stösst sie aber auf Zustimmung. Hillary Clinton wird deshalb mehr benötigen als einen geschickt inszenierten Parteitag, wenn sie wieder ins Weisse Haus einziehen will.